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Was war. Was wird. Im Zeichen der Katze

Das Weltraumteleskop James Webb liefert Hal Faber Cat Content – mit enormen Implikationen. In der EU sucht man derweil nach SMS-Content von Frau von der Leyen.

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(Bild: newsony / Shutterstock.com)

Lesezeit: 8 Min.
Von
  • Hal Faber

Wie immer möchte die Wochenschau von Hal Faber den Blick für die Details schärfen: Die sonntägliche Wochenschau ist Kommentar, Ausblick und Analyse. Sie ist Rück- wie Vorschau zugleich.

*** Irre Knallerfarben und ein proppenvolles Weltall. Die Fotos vom Weltraumteleskop James Webb erstaunen die Fachwelt und der Laie wundert sich: Warum sehen nur die geschulten Augen von Journalisten den Cat Content, den Beweis dafür, dass die Antwort nicht 42 ist? Die von der Tageszeitung taz (nicht Tatze) entdeckte neue Weltformel bestätigt erneut die Überlegenheit der Katze, wie das Beweisfoto zeigt. "Wegen abweichender Bildrechte" kann das Milliarden Jahre alte Katzenbild nicht im 53 Jahre alten Internet gezeigt werden, doch die Implikationen sind enorm. Was ist, wenn der Big Bang nur deshalb erfolgte, weil jemand ein transgalaktisches Katzenbild schaffen wollte? Schrieb nicht schon Schopenhauer über die Welt als Katze und Vorstellung? Die Antwort, mein Freund, weiß ganz allein der Wind, hat Bob Dylan im Juli 1962 gesungen. 60 Jahre später noch einmal auf einer "Ionic Original Disc" aufgenommen, ist dieser Song für fast 1,5 Millionen Pfund bei Christie's versteigert worden, so als Anti-NFT: "Wer will, kann die Auktion als Kunstaktion betrachten – für den Wert des Songs im Streaming-Zeitalter." Wer weiß schon, welche Katze hinter dieser Idee steckt.

Und wenn der Big Bang nur deshalb erfolgte, weil jemand ein transgalaktisches Katzenbild schaffen wollte?

*** Nun wird sicher der eine oder die andere einwenden, dass unter den vielen Bildern, die das Webb-Teleskop produzieren wird, unendlich viele Sternkreiszeichen sein können und sogar Hunde oder Hamsterfiguren gefunden werden können. Das in Analogie zu den Affen an der Schreibmaschine aus der Wahrscheinlichkeitsrechnung, die alles Mögliche tippen, wobei sogar Shakespeares Werke herauskommen können. Also wird hier ein Mensch, ein Künstler gar mitgemischt haben, vielleicht auch nur als Künstlersklave für einen Konzeptkünstler. Ein solcher Mann, der 80-jährige Daniel Druet hat dieser Tage in Paris einen Prozess verloren, den er indirekt gegen den Auftraggeber Maurizio Cattelan angestrengt hat. Druet klagte gegen Cattelans Galeristen und das Museum La Monnaie, das Werke von Cattelan ausstellt. In der Klage berief sich Druet auf sein Urheberrecht, das er verletzt sah – und erlitt eine herbe Niederlage: "Ohne Cattelan sind Druets Skulpturen wertlos", so die Anwälte des Kozipierers, die sogar erreichten, dass Druet eine Prozessentschädigung zahlen muss.

*** Ob Joe Morford mehr Glück hat mit seiner Klage gegen Cattelan, über die ein Gericht in Florida entscheiden muss? Cattelan hatte 2019 auf der Art Basel Miami Beach unter dem Titel Comedian drei Bananen mit Klebeband an die Wand geklebt und das Konzept mit zwei Bananen für jeweils 120.000 Dollar verkauft, während die dritte Banane gegessen wurde. In der Aktion sieht Morford ein Plagiat seines Werkes Banana Orange aus dem Jahr 2000. Der zuständige Richter hat nun die Fotos der Kunstaktionen untersuchen lassen und mittlerweile festgestellt, dass beide Bananen gelb sind und von links nach rechts an einer Wand hingen, fixiert durch ein silbernes Klebeband, das schräg von links nach rechts oben verläuft. Nun muss festgestellt werden, welche Elemente der Installation dem Autoren-Urheberrecht unterliegen. Morford hat einen 69 Seiten langen Schriftsatz eingereicht, in dem er beweisen will, dass Cattelans Banane seine Banane verletzt hat. Vor Gericht sind allerdings nur 20 Seiten lange Schriftsätze zugelassen.

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*** Klingeling, Klingeling, was weckt mich aus meinen Träumen von einer konzeptlosen Kunst? Ach, es ist ein Weckruf für die EU von der Ombudsfrau, die mehr Transparenz und Rechenschaft einfordert. Die Ombudsfrau hat nämlich einen Missstand erkannt und möchte ihn abstellen: "Ein Jahr nach Eingang der Anfrage eines Journalisten hat die Kommission noch immer nicht geklärt, ob die Textnachrichten, die laut Medienberichterstattung Großaufträge für die Beschaffung von Impfstoffen betreffen, existieren und ob die Öffentlichkeit das Recht hat, diese einzusehen." Der Missstand ist schlicht, dass SMS-Nachrichten von Ursula von der Leyen existieren, die ihre Rolle bei der Beschaffung von Impfstoffen dokumentieren. Bis heute weigert sich die Kommissionspräsidentin, ihre SMS des beruflichen Smartphones nach einem Kontakt mit dem Pfizer-Chef Albert Bourla durchsuchen zu lassen. Gründe werden nicht genannt, denn die EU-Kommission lässt entsprechende Anfragen einfach ins Leere laufen. Somit bekommt der Journalist Alexander Fanta auch keine Antwort auf seine Frage nach den SMS-Nachrichten. Nun hat die Causa von der Leyen noch eine andere, dunklere Seite, wie Fanta schreibt: "Das neue Überwachungsgesetz der EU zur Durchleuchtung privater Chats verdanken wir Ursula von der Leyen." Bei der SMS mauern, aber die Chats aller EU-Bürger unter den Anfangsverdacht stellen, weil in den Chats nach Grooming-Angriffen von Erwachsenen auf Kinder und Jugendliche gesucht werden soll, das kennen wir doch von Karl May und seinen Indianern: "Bleichgesicht spricht mit gespaltener Zunge". Das wurde mit öffentlich lesbarem Rauch und Nichtrauch gemorst. Die Ombudsfrau ist höflicher und erinnert an die Rechenschaftspflicht im Zeitalter von Instant Messaging.

*** In dieser kleinen Wochenschau wurde mehrfach über den US-amerikanischen IT-Spezialisten und Hacker Joshua Schulte berichtet, der hinter der Veröffentlichung von "Vault 7" und "Vault 8" durch Wikileaks stehen soll. In 25 Teilen wurde praktisch das gesamte technische Wissen derjenigen CIA-Abteilungen veröffentlicht, die sich mit der Infiltration fremder Rechner und den Attacken gegen feindliche Netzwerke beschäftigten. Nach dem Untersuchungsbericht vom Oktober 2017, dem sogenannten "Wikileaks Task Force Report" soll das von Schulte gesammelte Arsenal an Cybertools zwischen 180 Gigabyte und 34 Terabyte groß sein. Nun ist Schulte in dieser Woche in neun Anklagepunkten schuldig gesprochen worden. Das Statement des Staatsanwaltes ist interessant, stellt es doch einen direkten Zusammenhang zwischen Wikileaks und Schulte her, der die riesige Sammlung an Cyber-Tools anlegte: "When Schulte began to harbor resentment toward the CIA, he covertly collected those tools and provided them to WikiLeaks, making some of our most critical intelligence tools known to the public – and therefore, our adversaries. (...) Today, Schulte has been convicted for one of the most brazen and damaging acts of espionage in American history." ("Als Schulte anfing, Ressentiments gegenüber der CIA zu hegen, sammelte er diese Instrumente heimlich und stellte sie WikiLeaks zur Verfügung, wodurch einige unserer wichtigsten Geheimdienstinstrumente der Öffentlichkeit – und damit auch unseren Gegnern – bekannt wurden. (...) Heute ist Schulte für einen der dreistesten und schädlichsten Spionageakte in der amerikanischen Geschichte verurteilt worden.") Der schwerste Spionage-Fall in der amerikanischen Geschichte gibt auch den Hinweis, warum die USA so gerne ein Exempel statuieren wollen und in Großbritannien seine Auslieferung drängen. Noch ist das Strafmaß nicht verkündet und sicher wird Schulte, der sich vor Gericht selbst verteidigte, gegen das Urteil Berufung einlegen. Deshalb dürften die vom Calyx Institute veröffentlichten Transkripte der Gerichtsverhandlung von größtem Interesse für die Anwälte von Julian Assange sein, was sich auch darin zeigt, dass die Wau Holland Stiftung die Transkriptionen finanziert.

Cat Content. Schrieb nicht schon Schopenhauer ĂĽber die Welt als Katze und Vorstellung?

Heiß soll es werden, denn der Klimawandel ist im vollen Gange, genau wie die Tour de France. Dort werden die Straßen, nicht die leidenden Bäume gewässert, damit die rollenden Apotheken nicht im weichen Asphalt ins Rutschen kommen. Immerhin bekommen wir einen Vorgeschmack, wie künftig glühende Landschaften aussehen werden. Ja, welche Zukunft wollen wir eigentlich haben, das fragt sich nicht nur die letzte Generation, sondern auch das Festival der Zukunft. Das Festival findet im Deutschen Museum in München statt, wo es vielleicht ein bisschen kühler ist. Es gibt eine Fachkonferenz für Experten und ein öffentliches Programm mit Heißlüftern, als da sind NFT-Botschafter, DAO-Künstler und Blockchain-Fans. Auch ein Botschafter der Republik Užupis ist mit von der Partie, die so vorgestellt wird: "Ein bisschen Kopenhagener Christiania, ein wenig Boheme vom Montmartre, dazu Backpacker-Idylle und ein Hauch vergangener Hippie-Freiheit", und das in Litauen, das Putin und seine Handlanger:innen liebend gern von der Landkarte wegfegen möchten auf dem Weg nach Kaliningrad.

(tiw)