Aktionäre setzen Infineon-Chef Schumacher unter Druck
Nach zwei Geschäftsjahren mit Milliardenverlust fordern die Aktionäre schwarze Zahlen vom Halbleiter-Hersteller Infineon.
Nach zwei Geschäftsjahren mit Milliardenverlust haben die Aktionäre schwarze Zahlen vom Halbleiter-Hersteller Infineon gefordert. Wenn es im laufenden Geschäftsjahr noch einmal Verluste gebe, müssten personelle Konsequenzen auf höchster Ebene gezogen werden, sagte Daniela Bergdolt von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) am Dienstag auf der Hauptversammlung in München. Konzern-Chef Ulrich Schumacher sagte, der Konzern habe in der Flaute seine Marktanteile ausgebaut und sei für den kommenden Branchenaufschwung gut aufgestellt.
Die Infineon-Aktie hat im vergangenen Kalenderjahr wegen der hohen Verluste und der Branchenkrise noch einmal zwei Drittel ihres Werts verloren. "Herr Schumacher, Sie sind nur noch Mister 10 Prozent", sagte ein Kleinaktionär aus Stuttgart mit Blick auf den mehr als 90-prozentigen Kursverlust der Infineon-Aktie seit ihren Höchstständen im Jahr 2000. Die Entwicklung findet auch Schumacher "völlig unbefriedigend" -- für Aktionäre, Mitarbeiter und Management. "Die Wiedergewinnung der Profitabilität hat für uns oberste Priorität." Im ersten Quartal 2002/03 konnte der Konzern den Verlust vor Zinsen und Steuern im Jahresvergleich bereits von 564 Millionen auf 31 Millionen Euro reduzieren. Dennoch dämpfte Schumacher zu euphorische Erwartungen: "Hinter uns liegt ein schwieriges Jahr und das laufende wird nicht viel leichter werden." Wenn der Aufschwung in der krisengeschüttelten Branche aber komme, sei Infineon gut darauf vorbereitet.
Die Aktionäre zeigten sich vor allem verärgert über die schwache Bilanz des abgelaufenen Geschäftsjahres, als der Verlust vor Zinsen und Steuern noch einmal von 1,02 Milliarden auf 1,14 Milliarden Euro ausgeweitet wurde. Wegen der schlechten Erfahrungen und früherer Fehleinschätzungen des Managements trauten die Anleger nun den verbesserten Zahlen des ersten Quartals nicht recht über den Weg, sagte Bergdolt. Wenn die Speicherchip-Sparte nicht dauerhaft in die Gewinnzone zurückfinde, müsse der Konzern zudem eine Trennung von dem Geschäft erwägen.
Schumacher erteilte den Spekulationen über eine Abspaltung der DRAM-Sparte aber erneut eine klare Abfuhr. Infineon habe zuletzt in allen Geschäftsbereichen, also auch bei den Speichern, Marktanteile gewonnen. "Und deswegen halten wir auch an allen unseren Geschäftsbereichen fest." Im DRAM-Geschäft ringe man mit dem südkoreanischen Hynix-Konzern um die Position drei unter den weltweiten Speicher-Herstellern. Dabei kritisierte Schumacher erneut die jüngste Stützungsaktion staatlicher koreanischer Banken, die Hynix mit 4 Milliarden Euro aushalfen. "Auch wenn damit der Konzentrationsprozess der Industrie verlangsamt wird, ist er dennoch nicht aufzuhalten", sagte Schumacher.
Infineon will in den nächsten fünf Jahren unter die vier größten Halbleiterhersteller der Welt aufsteigen. Derzeit sehen Experten die Münchner auf Rang sechs. "Wir wollen vor allem organisch wachsen", sagte Schumacher. Regional habe der Konzern bei seinen Wachstumsplänen vor allem China, Japan und die USA im Visier. (dpa) / (tol)