Kabinettsveto: Verkauf von Elmos' Fab nach China untersagt
Das Bundeskabinett unterbindet eine Ăśbernahme eines Dortmunder Halbleiterwerks durch einen Konzern aus China. Zudem wird eine Investition in Bayern blockiert.
(Bild: HomeArt/Shutterstock.com)
Die deutsche Regierung greift nun doch bei einer geplanten Übernahme von Elmos' Dortmunder Halbleiterwerk ein. Elmos darf das Werk nicht an die schwedische Firma Silex Microsystem verkaufen, die wiederum zum chinesischen Konzern Sai Microelectronics gehört. Die Entscheidung fiel knapp ein Jahr nach Bekanntgabe des geplanten Verkaufs, nachdem chinesische Übernahmen in Deutschland in die Medienberichterstattung gerückt waren.
Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck sagte dazu: "Wir müssen bei Firmenübernahmen dann genau hinschauen, wenn es um wichtige Infrastrukturen geht oder wenn die Gefahr besteht, dass Technologie an Erwerber aus Nicht-EU-Ländern abfließt. Gerade im Halbleiterbereich ist es uns wichtig, die technologische und wirtschaftliche Souveränität Deutschlands und auch Europas zu schützen. Natürlich ist und bleibt Deutschland ein offener Investitionsstandort, aber wir sind eben auch nicht naiv."
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Ungewisse Zukunft
Fraglich ist jetzt, wie es mit Elmos' Halbleiterwerk weitergeht. Deren Belichtungstechnik ist mit einem 350-Nanometer-Fertigungsprozess extrem veraltet; eine Aufrüstung ist nicht lukrativ, weil die nötigen Lithografie-Systeme teuer und kaum zu bekommen sind. Schon heute produziert Elmos nur rund die Hälfte seiner Chips, darunter vorwiegend Mikrocontroller, selbst. Den Rest lässt die Firma bei Chipauftragsfertigern produzieren – in den kommenden Jahren soll der Anteil fremd gefertigter Bauelemente steigen.
Silex wollte die Chipfertigung in Dortmund auf Micro-Electro-Mechanical Systems (MEMS) umrüsten, also primär zur Produktion von Sensoren verwenden. Dafür ist die vorhandene Ausrüstung ausreichend.
Ohne den Verkauf erscheint eine Schließung des Halbleiterwerks innerhalb der kommenden Jahre wahrscheinlich. Elmos will die nächsten Schritte jetzt prüfen.
Keine chinesische Investition bei ERS
Das Handelsblatt und Reuters berichten derweil ĂĽbereinstimmend, dass das Bundeskabinett auĂźer dem untersagten Halbleiterwerkverkauf auch eine chinesische (GroĂź-)Investition beim bayerischen Zulieferer ERS Electronic GmbH blockiert haben soll. ERS' Hauptsitz ist in Germering, zudem gibt es Niederlassungen in Shanghai, Dallas und Taipeh.
ERS stellt hauptsächlich Ausrüstung für Halbleiter- und Packaging-Werke her. Dazu zählen Haltesysteme für Wafer (sogenannte Chucks) und Debonding-Maschinen, die die Träger (Carrier) von den eigentlichen Wafern lösen. Außerdem stellt die Firma Test-Equipment her, das automatisiert die thermischen Eigenschaften von Wafern während der Produktion in Halbleiterwerken prüft. Sogenannte Warpage-Adjustment-Systeme begradigen in Packaging-Werken Wafer, die während ihrer Bearbeitung oder während des Transports minimal verbogen wurden.
ERS sieht sich in seinem Geschäftsfeld als Marktführer, was sich jedoch kaum überprüfen lässt: Die Firma und die meisten Konkurrenten sind nicht an der Börse notiert, müssen also keine Geschäftsberichte veröffentlichen.
(mma)