Computer-Netz gegen Biowaffen

Die US-Regierung hat den Aufbau eines landesweiten zivilen Computer-Netzwerks für die Identifizierung und Bekämpfung von Terrorangriffen mit biologischen Waffen angekündigt.

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Von
  • Peter-Michael Ziegler

Die US-Regierung hat den Aufbau eines landesweiten zivilen Computer-Netzwerks angekündigt, das als Eckpfeiler für die Identifizierung und Bekämpfung von Terrorangriffen mit biologischen Waffen dienen soll. Nach Informationen der New York Times entstehen in Washington und weiteren US-Großstädten unter der Leitung des nationalen Centers for Disease Control and Prevention (CDC) derzeit insgesamt acht Frühwarnzentren, die kontinuierlich mit medizinischem Datenmaterial aus Arztpraxen, Krankenhäusern und Apotheken versorgt werden.

Über statistische Auffälligkeiten in Arztbefunden und Notaufnahme-Protokollen sowie die Häufigkeit von verkauften Medikamenten sollen Mikrobiologen und Mediziner Anhaltspunkte für eine mögliche Verbreitung von biologischen Kampfstoffen wie Pocken oder Anthrax gewinnen. Ziel sei es, im Falle eines Angriffs die für die Erreger typischen Symptome schnellstmöglich zu erfassen und den Verbreitungsherd zu lokalisieren, hieß es aus Regierungskreisen. Personenbezogene Daten würden bei Routine-Abfragen nicht gespeichert, lediglich Alter, Geschlecht und ZIP-Code übermittelt.

Nach den Terror-Anschlägen vom 11. September 2001 hatte das US-Verteidigungsministerium zunächst geplant, ein entsprechendes Biowaffen-Frühwarnsystem unter militärischer Kontrolle zu etablieren. Auf Basis des Analyse-Programms Essence (Electronic Surveillance System for Early Notification of Community-Based Epidemics) wurden in den Wochen nach den Anschlägen medizinische Daten von Millionen von US-Bürgern im Großraum Washington in einer Datenbank gesammelt und von Biowaffen-Experten ausgewertet. Essence sollte Teil des umstrittenen Pentagon-Projekts Total Information Awareness (TIA) werden, das eine weitreichende Überwachung von Kommunikationsverbindungen und die Durchsuchung von Computern nach Hinweisen auf terroristische Aktivitäten vorsah.

Nach heftigem Widerstand von US-Politikern und Bürgerrechtlern wurde das vom ehemaligen Admiral John Poindexter geleitete Information Awareness Office (IAO) in der vergangenen Woche vom US-Senat allerdings an die kurze Leine gelegt und in seinen Befugnissen deutlich beschnitten. Zwar wurden nach Aussagen von Pentagon-Mitarbeitern zwischen Essence und TIA bislang keine Daten ausgetauscht, doch ist man in Washington allgemein erleichtert, dass die Auswertung von sensiblen Gesundheitsinformationen der Bürger künftig unter ziviler Kontrolle stattfindet und nicht mehr in militärischer Hand liegt. Nähere Einzelheiten zur technischen und finanziellen Ausstattung der Frühwarnzentren will Präsident George W. Bush am morgigen Dienstag im jährlichen Bericht zur Lage der Nation (State of the Union Address) bekannt geben. (pmz)