Halbleiterkrise verhagelt Lothar Späths letzte Bilanz

Der Ex-Politiker meint, auch wenn der Bau der Chipfabrik in Frankfurt (Oder) weiter problematisch sei, mĂĽsse die Umsatzprognose fĂĽr sein Unternehmen Jenoptik nicht gesenkt werden.

vorlesen Druckansicht 46 Kommentare lesen
Lesezeit: 3 Min.
Von
  • dpa

Die Krise der Halbleiterindustrie und hohe Verluste im Risikokapitalgeschäft haben Vorstandschef Lothar Späth die letzte Bilanz an der Spitze des Jenoptik-Konzerns verhagelt. Nach vorläufigen Zahlen, die Späth heute vorgelegt hat, halbierte sich der Gewinn des größten börsennotierten Ost-Unternehmens 2002 annähernd. Der Umsatz brach im Vergleich zum Vorjahr um 400 Millionen auf 1,6 Milliarden Euro ein. Damit sei die im November gesenkte Prognose eingehalten worden. Mit Hinweis auf gut gefüllte Auftragsbücher sagte Späth, er sehe die Geschäftsentwicklung 2003 "relativ optimistisch". Die Aktionäre sollen eine "angemessene Dividende" erhalten.

Späth wird wie angekündigt zur Hauptversammlung Mitte Juni das Zepter bei der Jenoptik AG an den Finanzvorstand Alexander von Witzleben abgeben und an die Spitze des Aufsichtsrats wechseln. Von 1978 bis 1991 war Späth Ministerpräsident von Baden-Württemberg. Im Juni 1991 wurde er Vorsitzender der Geschäftsführung und im Januar 1996, nachdem die Jenoptik GmbH zu einer Aktiengesellschaft umfirmiert wurde, Vorstandsvorsitzender.

Der Umsatz des Konzerns, dessen Beschäftigtenzahl nach mehreren Übernahmen im Vorjahr um rund 3000 auf 10.000 stieg, werde wieder auf 2,0 Milliarden Euro steigen, kündigt der Vorstandschef an. Zum Jahresüberschuss, der sich 2002 bei voraussichtlich gut 40 Millionen Euro bewegt gegenüber 88 Millionen im Jahr zuvor, wollte er noch keine Prognose abgeben. "Wir sind nicht ängstlich, dass wir die Delle wieder ausbügeln", sagte der Ex-Politiker. Gegen den Trend stieg der Auftragseingang um 13 Prozent. Der Konzern verfügt damit über ein Auftragsvolumen von 2,25 Milliarden Euro, das macht ein Plus von 29 Prozent.

Im laufenden Geschäftsjahr rechnet der Vorstand mit anziehenden Geschäften in der größten Sparte Reinraumtechnik/Gebäudemanagement, die durch die Übernahme der EADS-Dienstleistungstochter D.I.B. und von Teilen der TKT-Krantz-Gruppe von Babcock Borsig kräftig ausgebaut wurde. Dieser Bereich soll an die Ergebnisse von 2001 mit 1,7 Milliarden Euro Umsatz und einem Betriebsergebnis von über 40 Millionen Euro anknüpfen. Im vergangenen Jahr waren von Kunden mehrere Projekte beim Bau von Chipfabriken mit einem Volumen von 300 Millionen Euro auf 2003 vertagt worden. Auch wenn der Bau der Chipfabrik in Frankfurt (Oder) weiter Probleme mache, müsse die Umsatzprognose nicht gesenkt werden, sagte Späth. Bei dem Werk gehe es für Jenoptik noch um ein Volumen von 150 Millionen Euro.

Bei der Sparte Optoelektronik mit den Firmen in Jena rechnet er mit einer Stabilisierung des Betriebsgewinns bei etwa 25 Millionen Euro. "Die Produktivität der Betriebe in Jena ist auf Westniveau. Wir haben ein hohes Ertragspotenzial." Unsicher bleibt die Entwicklung der börsennotierten Jenoptik-Beteiligungsgesellschaft DEWB, die im Vorjahr einen Verlust von 22 Millionen Euro einfuhr. Er zehrte fast die Erlöse aus der umstrittenen Übertragung von DEWB-Anteilen an einen Pensionsfonds für Jenoptik-Mitarbeiter auf. Jenoptik hält jetzt noch 44 Prozent der DEWB-Anteile und will auf rund 25 Prozent abbauen. (dpa) / (anw)