Hintergrund: Der Irak-Konflikt verunsichert die IT-Branche
Die Prognosen vieler IT-Unternehmen sind derzeit von einem möglichen Krieg am Golf beeinflusst.
Wer in jüngster Zeit die Quartalsberichte der IT-Firmen aus den USA studierte, stieß häufig auf Stellungnahmen von Chefs und obersten Buchhalter zu ihren Zahlen, die sich wegen der "unsicheren geopolitischen Lage" nicht auf einen optimistischen Ausblick festlegen wollten. Offensichtlich spielen sie auf einen möglichen Krieg im Irak an, der Firmen wie Cisco Systems und Applied Material in Verunsicherung stürzt. Sie glauben, die Investitionsbereitschaft der Wirtschaft sei wegen des drohenden dritten Golfkriegs sehr gering.
Unklar ist aber, warum gerade US-amerikanische Firmen wegen eines weit entfernten Krieges nicht investieren sollten. Zumindest bezweifeln Analysten einen direkten Zusammenhang: Sie gehen eher davon aus, dass die ohnehin schwache Wirtschaftslage und andere Faktoren für die Situation der einzelnen Firmen und einen weiter verzögerten Wiederaufschwung der Wirtschaft verantwortlich sein könnten. Ein Krieg wirke sich allenfalls psychologisch auf das Geschehen am Markt und an der Börse aus.
Die Attacken des 11. September 2001 sind kaum anderthalb Jahre vorbei, da hat sich die Industrie anscheinend eine neue Entschuldigung für ihre lauen Geschäftszahlen zurechtgelegt. Dabei kann es durchaus sein, dass die IT-Firmen für das laufende Quartal gar keine Entschuldigung benötigen. Denn so mancher Marktbeobachter in den USA glaubt, das Geschäft mit Prozessoren, Netzwerkausrüstungen und anderen Technologien könne trotz des andauernden Irak-Konflikts sogar leicht anziehen, da seine Auswirkung auf die Einstellung der Verbraucher und Unternehmen durch langfristige ökonomische Effekte wie Produktlebenszyklen überlagert werden könne.
Den Irak-Konflikt oder die Attentate von New York und Washington als Erklärung für die Misere der IT-Branche heranzuziehen ist einfach, sodass viele Menschen daran glauben. Dabei setzte der Abschwung bereits vor dem 11. September 2001 ein. Den Einfluss der Ereignisses dieses Tages auf die allgemeine Wirtschaftslage zu ermitteln erscheint müßig; eher glauben die Analysten, dass -- anders als sonst in Krisenzeiten üblich -- nicht die Verbraucher und ihre Zurückhaltung schuld sind. Vielmehr wird die IT-Branche nach der Euphorie der Jahre 1999 und 2000 auf ihr normales Maß zurückgestutzt, kommentieren Beobachter. Das will vielleicht so mancher Firmenchef nicht wahrhaben, und klammert sich deshalb an die naheliegendste aller Erklärungen. Doch leider kommen sie damit dem Rezept für den Aufschwung keinen Zentimeter näher -- wenn es denn eines gibt.
Siehe dazu auch: (anw)