Leistungsträger gesucht

Einer Studie der Managementberatung Kienbaum zufolge klagen Unternehmen weiterhin über Schwierigkeiten, Führungskräftepositionen zu besetzen. Vor allem Wirtschaftswissenschaftler, Informatiker und Ingenieure seien gefragt.

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Von
  • Frank Möcke

Trotz Finanzkrise und rückläufigem Wirtschaftswachstum suchen Unternehmen vehement nach hochqualifizierten Nachwuchstalenten, die sie für Führungspositionen vorsehen können. Viele Unternehmen klagen über Schwierigkeiten, die richtigen Toppleute zu gewinnen. Dies folgt aus den Ergebnissen der Studie „High Potentials 2008/2009“, die von der Managementberatung Kienbaum durchgeführt worden ist. Kienbaum hat 189 Konzerne und mittelständische Unternehmen befragt.

Vor allem Wirtschaftswissenschaftler, Informatiker und Ingenieure, vorzugsweise mit den Abschlüssen Diplom, Master oder Promotion, seien gefragt. Die Firmen könnten auch in diesem Jahr nicht alle vakanten Positionen besetzen: Bei 65 Prozent der Befragten kommen bis zu 25 Prozent der Wunschkandidaten nicht an Bord, etwa ein Viertel kann bis zu 50 Prozent der Wunschkandidaten nicht erfolgreich anwerben.

Die Unternehmen erwarten viel von "High Potentials": Sie sollten etwa 26 Jahre alt sein, ihr Studium in acht bis zehn Semestern abgeschlossen haben und einen Notendurchschnitt von 1,8 oder besser vorweisen können. Praxiserfahrung und Fremdsprachenkenntnisse sind für mehr als 60 Prozent unabdingbare Qualifikationen. Auch Fach- und Methodenkompetenz (44 Prozent) sowie Auslandserfahrung (38 Prozent) sind gefragt. Eigenmotivation ist für 85 Prozent ein Muss, gefolgt von Lernbereitschaft, der Fähigkeit zur Selbstkritik und Belastbarkeit. Mehr als die Hälfte der Befragten schätzt zudem Zielorientierung, Belastbarkeit, Flexibilität und Kontaktfähigkeit. Können die High Potentials diese Erwartungen nicht erfüllen, liegt das aus Sicht der Unternehmen oftmals an Selbstüberschätzung, mangelnder Fähigkeit zur Selbstkritik und einer zu hohen Anspruchshaltung.

Um den Bedarf an High Potentials zu decken, richten 70 Prozent der Unternehmen ihr Angebot auch an den Erwartungen des Nachwuchses aus: 91 Prozent der Unternehmen bieten eigenverantwortliche Projektarbeit; mehr als zwei Drittel locken mit Weiterbildungsmaßnahmen, Persönlichkeitstrainings und Direkteinstieg.

Trotz messbarer Kriterien wie Notendurchschnitt und Alter bei Abschluss sowie klaren Anforderungen an Qualifikation und Persönlichkeit geben 90 Prozent an, einen High Potential nicht eindeutig an seinem Lebenslauf identifizieren zu können. Der Wunschkandidat soll Begeisterungsfähigkeit und Loyalität mitbringen und trotz Erfolg den Bezug zur Realität nicht verlieren und die Eignung für eine Position aufweisen, die zwei Ebenen über der derzeitigen liegt.

High Potentials wechseln im Durchschnitt alle fünf Jahre ihren Arbeitgeber. Häufige Anlässe hierzu sind Abwerbung, mangelnde Karriereperspektiven oder private Gründe. Die Einstiegsgehälter für Absolventen mit einem Fachhochschul- oder Bachelor-Abschluss liegen im Durchschnitt bei 39.000 Euro im Jahr. Ihre Kollegen mit einem Universitätsabschluss verdienen 43.000 Euro. Später erhalten sie ein durchschnittliches Jahresbruttogehalt von 45.000 bis 50.000 Euro, bei vorliegender Promotion oder MBA-Abschluss 50.000 bis 65.000 Euro. (fm)