AOL Time Warner in Verhandlungen über die Musiksparte
Konzentration erscheint den Majors als mögliche Antwort auf digitale Medien und Internet: EMI ist angeblich in Verhandlungen mit AOL Time Warner wegen einer Übernahme von Warner Music.
Der britische Musikkonzern EMI ist in Verhandlungen mit AOL Time Warner wegen einer Übernahme des Labels Warner Music, berichtet das Wall Street Journal unter Berufung auf den Verhandlungen nahe stehende Kreise. Sollte es zu einem Abschluss kommen, hätte der Deal einen Wert von 3 bis 4 Milliarden US-Dollar.
Die Majors, die bislang noch keine rechte Antwort auf die digitalen Medien und die Verbreitung von Musik über das Internet gefunden haben, stehen unter Druck. Das US-Wirtschaftsblatt meint zwar, die Verhandlungen zwischen EMI und AOL Time Warner seien noch im Anfangsstadium, bezeichnet sie aber als klares Signal dafür, dass eine Konsolidierung in der Musikbranche und besonders unter den Majors bevorstehe. Angesichts der rückläufigen Einnahmen der Labels, die die Musikwirtschaft immer wieder auf Internet-Tauschbörsen und Raubkopien mittels CD-Brenner zurückführt, sei verstärktes Balzverhalten unter den Musikfirmen festzustellen. Dazu gehört wohl auch, dass erneut Gerüchte auftauchen, dass EMI doch noch mit der Bertelsmann Music Group zusammengehen will -- eine Fusion, die an Einwänden und potenziellen Auflagen der EU-Kommission im Frühjahr 2001 bereits einmal gescheitert war.
Dem hochverschuldeten Medienkonzern AOL Time Warner wurde in letzter Zeit immer wieder einmal nachgesagt, durch eine Trennung von AOL die als gescheitert angesehene Fusion des Online-Dienstes mit Time Warner wieder rückgängig machen zu wollen. Ein Verkauf von Warner Music wiederum brächte zumindest Geld in die Kassen, ohne das Stammgeschäft mit Printmagazinen und Filmen zu gefährden. Ein kombinierter Konzern aus EMI und Warner Music würde weltweit ungefähr gleichauf liegen mit dem Marktführer unter den Majors, Universal Music. (jk)