Britischer Polizeibericht: Videoüberwachung ist ineffizient

Laut einer internen Untersuchung der Londoner Polizei kommt auf 1000 Überwachungskameras statistisch gesehen die Aufklärung von nur einer Straftat. Videoüberwachung führe zu massiven Ausgaben bei minimaler Effektivität, kritisiert die Opposition.

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Von
  • Peter-Michael Ziegler

Auf 1000 Überwachungskameras in London kommt statistisch gesehen die Aufklärung von nur einer Straftat. Dies geht aus einem internen Bericht der Metropolitan Police hervor, der über eine Anfrage auf Basis des Informationsfreiheitsgesetzes des Vereinigten Königsreichs jetzt ins Licht der Öffentlichkeit geriet. Die hohen Erwartungen der Bevölkerung in "Closed Circuit Television" (CCTV) würden damit insgesamt enttäuscht, schreibt der Verfasser des Berichts, Chief Inspector Mick Neville. Schließlich werde den Bürgern vielfach erzählt, dass sie pro Tag 300 Mal von Kameras erfasst würden.

Die geringe Effizienz der Videoüberwachung, die sich Großbritannien allein zwischen 1996 und 2006 rund 500 Millionen Pfund hat kosten lassen, schreibt Neville vor allem einer mangelhaften Auswertung des Videomaterials zu. Vielfach würden die aufgezeichneten Datenmengen überhaupt nicht gesichtet, es gebe auch zu wenig geschultes Personal für diese Aufgabe. Michael McNally, Nevilles Vorgesetzter und Auftraggeber der Analyse, räumte ein, dass es "einige Bedenken" beim Gebrauch von CCTV gebe. Im vergangenen Jahr hatte die Association of Chief Police Officers (ACPO) bereits auf eklatante Schwächen bei der Videoüberwachung hingewiesen. Gewaltverbrechen und spontan begangene Straftaten könnten die Kameras beispielsweise nicht verhindern.

David Davis, Innenexperte der Conservative Party, forderte, dass der Bericht "einen lange überfälligen Umdenkprozess zum Einsatz des Budgets für die Kriminalitätsbekämpfung auslösen sollte". CCTV führe zu "massiven Ausgaben" bei "minimaler Effektivität". Die Eingriffe in die Privatsphäre seien groß, der Beitrag zur Verbesserung der Sicherheit klein. Britische Bürgerrechtsorganisationen riefen dazu auf, das Geld für die Kameras besser in eine hellere Straßenbeleuchtung und in verstärkte Polizeipatrouillen zu investieren. Das britische Innenministerium betonte dagegen, dass die geschätzten vier Millionen Überwachungskameras das "Gefühl von Sicherheit in Nachbarschaften" verstärken könnten. Polizeikräfte versicherten, dass neue Projekte zur Auswertung der Videodaten in Angriff genommen worden seien und CCTV unerlässlich bei der Strafverfolgung sei. (Stefan Krempl) / (pmz)