Quantenkryptografie für Unternehmen

Nach Banken, Militärs und Regierungen sollen künftig auch Firmenkunden Quantenkryptografie nutzen können. Dazu tun sich Siemens IT Solutions & Services und id Quantique zusammen.

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Quantenkryptografie gilt als die Verschlüsselungstechnik, die den Datenverkehr endlich abhörsicher machen soll. Aufgrund der aufwändigen technischen Voraussetzungen ist sie bislang ein Nischenprodukt für kritische Infrastrukturen von Regierungen, Militär oder Bankensektor. Ein Deal zwischen der Schweizer Firma id Quantique und Siemens IT Solutions & Services könnte die Quantenkryptografie nun auch für den Massenmarkt öffnen, berichtet Technology Review in seiner Online-Ausgabe.

Wer sie derzeit einsetzen will, benötigt eigene Punkt-zu-Punkt-Verbindungen aus Glasfaserleitungen. Die kann sich nicht jeder leisten. "Glasfaserleitungen sind der teuerste Teil der Technik", sagt der Quanteninformatiker Seth Lloyd vom MIT. Id Quantique und Siemens IT Solutions wollen nun auch anderen Kunden – bis hin zu einzelnen Verbrauchern – erstmals ein Komplettpaket aus Quantenschlüsselverteilung (QKD für "quantum key distribution") und Leitungen anbieten. "Für die kommerzielle Entwicklung der Quantenkryptografie ist das ein Riesenschritt", meint Lloyd.

Billig wird die Sache allerdings nicht. Für ein Paar von QKD-Endstellen von id Quantique müssen Kunden noch 82.000 Dollar hinblättern. Hinzu kommen die Kosten der optischen Leitungen, die auch deshalb hoch sind, weil Kunden zwei parallele Leitungen anmieten müssen: eine für den Schlüsselaustausch und eine für die eigentliche Übertragung der verschlüsselten Daten. Bei herkömmlichen optischen Datendiensten teilen sich häufig mehrere Kunden die Glasfaserleitungen. QKD-Anwender würden dies wohl eher nicht tun, schätzt Andrew Shields, Leiter der Quanteninformationsgruppe von Toshiba Research Europe in Cambridge. "Langfristig glaube ich aber, dass die QKD-Technologie in das normale Glasfasernetz integriert wird."

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(bsc)