Kampf gegen Schmuddelszenen bald auch in europäischen Wohnzimmern
Noch im Herbst 2009 sollen die ersten DVD-Player, die das ClearPlay-Filtersystem unterstĂĽtzen, in Europa auf den Markt kommen.
Im Rahmen der laufenden IFA gab das für seinen Kampf gegen anstößige Inhalte in Videos bekannte kalifornische Unternehmen ClearPlay gegenüber heise online einen Ausblick auf kommende Geräte, die mit dem Filtersystem des Unternehmens ausgestattet sein werden. So sollen erste DVD-Player mit der inzwischen "ClearPlay for Movies" genannten Technik ab Oktober beziehungsweise November in Frankreich und Großbritannien erhältlich sein; als Hersteller habe das Unternehmen Akira International aus Singapur gewonnen werden können.
Mit "ClearPlay for Movies" müssen sich besorgte Eltern laut Entwickler nicht mehr davor fürchten, dass der minderjährige Nachwuchs beispielsweise filmische Gewalt- oder Sexszenen zu Gesicht bekommt oder die Darstellung von Drogenkonsum ertragen muss. All diese Szenen überspringt der Player selbstständig, zudem schaltet er bei allzu gewagten Dialogen stumm. Die betreffenden Szenen erkennt das Gerät jedoch nicht automatisch, sondern orientiert sich an speziellen Playback-Listen auf Timecode-Basis, die folglich für jeden Film erstellt werden müssen. Um keine Urheberrechte der Filmstudios zu verletzen, fasse ClearPlay das Original überhaupt nicht an, sondern simuliere praktisch nur eine Fernbedienung. ClearPlay arbeitet nach eigenen Angaben bereits an einer Version für Blu-ray-Player, bei der man auch die Netzwerkanbindung vieler Player nutzen will. Die Filterfunktion wird dem Unternehmenssprecher zufolge sogar von "einem der führenden Chiphersteller" in kommende Prozessoren für Blu-ray-Player direkt integriert.
Obwohl ClearPlay mit den kommenden DVD-Playern zumindest einen Teil seiner letztjährigen Ankündigungen umsetzen konnte, musste ClearPlay-CEO Andrew Duncan im Gespräch mit heise online eingestehen, dass die Verhandlungen für den deutschen Markt bislang noch nicht so fruchtbar verliefen wie erhofft. Im Nahen Osten hingegen soll es in naher Zukunft außer ClearPlay-tauglichen DVD-Playern und TV-Recordern sogar ein Video-On-Demand-Angebot mit "ClearPlay OnDemand"-Funktion geben, bei dem die Filterung über den VoD-Client läuft. Immerhin konnte ClearPlay nach eigenen Angaben Philips davon überzeugen, "ClearPlay Metadata" über ihre "NetTV"-Fernseher mit Internetzugang verfügbar zu machen. Allerdings geht es hier lediglich darum, Informationen darüber zu liefern, ob und in welchem Maß in einem Film Gewaltdarstellungen, sexuelle Inhalte, Nacktszenen, Beleidigungen und ähnliches vorkommen. Auf die Wiedergabe des betreffenden Streifens wird hingegen kein Einfluss genommen. ClearPlay hat mit den Metadaten aber durchaus weitergehende Pläne: So soll der Dienst beispielsweise TV-Anbietern künftig auch ermöglichen, Werbeclips an den Stellen eines Films unterzubringen, die aufgrund ihres problematischen Inhalts bislang einfach nur übersprungen werden würden.
Um die Verbreitung von ClearPlay in Europa voranzutreiben, will das Unternehmen zukünftig vor allem Mütter ansprechen, die laut CEO in der Familie "für den Schutz der Kinder verantwortlich sind". Zum Verkaufsstart der ClearPlay-tauglichen DVD-Player in Frankreich werde man daher beispielsweise Anzeigen in dortigen Frauenzeitschriften schalten. Darin wird das Filtersystem wiederum als Schutz vor Gewaltszenen in Filmen beworben, das Blockieren von "sexuellen Inhalten" jedoch nicht thematisiert. Weiterhin möchte ClearPlay künftig die "Kraft des Internets" nutzen, um über Communities und Blogs – vor allem von Müttern – Stimmung für das eigene Produkt zu machen. (nij)