Blu-ray Discs können möglicherweise bald legal kopiert werden

Pioneer führt auf der derzeit laufenden Fachmesse CEDIA den Prototyp eines ersten Blu-ray-"Players" mit der Funktion "Blu-ray Managed Copy" vor.

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Pioneer führt auf der derzeit in Atlanta (USA) stattfindenen Fachmesse CEDIA den Prototyp eines ersten Blu-ray-"Players" mit der Funktion "Managed Copy" vor, der auf Knopfdruck legale Kopien einer eingelegten Blu-ray Disc erstellt. Neu ist die Idee "Managed Copy" nicht, vielmehr ist diese Funktion bereits seit 2006 als Teil des Kopierschutzes Advanced Access Content System (AACS) für die designierten DVD-Nachfolger HD DVD und Blu-ray Disc vorgesehen. Bislang mangelte es jedoch an konkreten Lösungen, wie die legalen Kopien hergestellt werden können. In jüngerer Vergangenheit liegen vielen Blu-ray Discs daher "Digital-Copy"-Scheiben bei, auf denen sich der betreffende Film ein zweites Mal in einer DRM-geschützten Fassung befindet.

Die Lösung von Pioneer, die Teil des "Entertainment Tap Networking Project" (kurz "Project ET") ist, soll hingegen tatsächlich die eingelegte Blu-ray Disc (offenbar mit Menüs und Extras) auf einen lokalen Speicher – hier eine eingebaute Festplatte mit einer Größe von 1 Terabyte – übertragen. Aktuell ist dies nach US-Presseberichten mit bis zu 4-facher Geschwindigkeit möglich; in einem von "Engadget" veröffentlichten Video ist einmal von 20 Minuten Kopierdauer beim Demofilm "Bolt" die Rede.

In der Präsentation ist auch deutlich zu sehen, dass nicht jede Blu-ray Disc kopierbar sein wird. Vielmehr nimmt der Pioneer-Player zunächst über seine Breitbandanbindung ans Internet Kontakt zum Server des betreffenden Studios auf, um nachzufragen, ob von dem Film eine Managed Copy angefertigt werden darf. In dem Video ist zudem zu sehen, dass die Kopie in dem Beispiel nur gegen Zahlung eines Geldbetrags erlaubt ist. Darüber, wie viel eine Kopie letztlich kosten wird, macht Pioneer keine Angaben. Der kopierte Film lässt sich anschließend in HD-Qualität von der Festplatte abspielen, ohne dass die Quelldisc eingelegt sein muss. Unklar ist bislang noch, ob der Player, der den Streaming-Standard DLNA unterstützt, diese Inhalte auch an Clients im lokalen Netzwerk schicken kann.

Pioneer will die Breitband-Verbindung des kommenden Blu-ray-Players auch nutzen, um darüber Online-Portale wie YouTube und Picasa sowie Video-on-Demand-Dienste anzusteuern. Entsprechende Funktionen findet man heute bereits bei BD-Playern von LG, Samsung und Panasonic – allerdings mit der Einschränkung, dass lediglich die US-amerikanischen Modelle als Clients für Video- und Musikdienste dienen können, während diese Funktion bei den Ausführungen für den deutschen Markt deaktiviert sind. Darüber hinaus will Pioneer auf den TAP-Geräten Social-Networking-Dienste wie Twitter nutzbar machen, damit Anwender ihren Followers auf Knopfdruck mitteilen können, was sie gerade anschauen beziehungsweise anhören. Followers mit dem neuen Pioneer-Player sollen den betreffenden Titel dann ihrerseits mit einem Knopfdruck kaufen und herunterladen können. Dank Anbindung an iPod und iPhone sollen sich Inhalte auch auf diesen portablen Geräten wiedergeben lassen. Einen Preis für den TAP-Player gab Pioneer bislang noch nicht bekannt. (nij)