Aktionärsschützer begrüßen Umbau des Telekom-Aufsichtsrates [Update]

Der alte Aufsichtsrat habe sich sowohl bei der Ablösung von Ron Sommer als Vorstandschef als auch bei der Nachfolger-Suche nicht gerade mit Ruhm bekleckert.

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  • dpa

Aktionärsschützer begrüßen den geplanten Umbau des Telekom-Aufsichtsrates. "Das ist ein richtiger Schritt", sagte die Vorstandssprecherin der Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre, Reinhild Keitel, in einem dpa-Gespräch. Der alte Aufsichtsrat der Deutschen Telekom habe sich sowohl bei der Ablösung von Ron Sommer als Vorstandschef als auch bei der Nachfolger-Suche nicht gerade mit Ruhm bekleckert, resümierte Keitel die entscheidenden personellen Veränderungen des vergangenen Jahres. Für eine Auswechslung mehrerer Aufsichtsratsmitglieder sei jetzt der richtige Zeitpunkt. Die neuen Kontrolleure könnten zur Hauptversammlung im Mai gewählt werden.

Post-Chef Klaus Zumwinkel, der neuer Aufsichtsratschef der Telekom werden soll, sei den Umgang mit dem Bund als Großaktionär gewöhnt. Diese Nominierung zeige aber auch, dass der Bund und damit die Bundesregierung weiter einen gewissen Einfluss bei der Deutschen Telekom ausüben wolle. "Der Einfluss des Bundes hat sich nicht immer als segensreich erwiesen", betonte sie. Dies habe der Zickzackkurs bei der Ablösung von Ron Sommer gezeigt. Auch an den Finanzmärkten dürfte ein Bundeseinfluss auf die Telekom nicht als positives Signal aufgenommen werden. Besser wäre es gewesen, auch bei der Auswahl des Aufsichtsratschefs zu zeigen, dass sich die Politik zurückhalte.

Ähnlich äußerte sich zu den geplanten Veränderungen im Telekom-Aufsichtsrat die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz. "Zumwinkel hat bei der Post gezeigt, dass Privatisierung auch ohne Verschuldung geht", sagte der Pressesprecher der Schutzvereinigung, Jürgen Kurz, der dpa. Dass Zumwinkel ebenfalls ein Unternehmen mit Bundesbeteiligung leite, sei jedoch die andere Seite der Medaille. "Das könnte Wasser auf die Mühlen der Amerikaner sein, die ohnehin behaupten, die Telekom sei eigentlich ein Staatsunternehmen", meinte Kurz. Deshalb sei die Entscheidung, den Aufsichtsrats-Chefsessel der Telekom mit dem Manager eines anderen Konzerns mit Staatsbeteiligung zu besetzen, in der Außenwirkung sicherlich nicht so glücklich.

Die Ablösung von Ron Sommer als Vorstandschef sei angesichts des stetig steigenden Schuldenbergs der Telekom in jedem Fall geboten gewesen, sagte Keitel. Nur die monatelangen Debatten mit Solidaritätsbekundungen sowie Rücktrittsforderungen seien fatal gewesen für das Ansehen des Unternehmens. "Das hat auch offenbart, dass die Politik letztlich den Ausschlag gegeben hat und dass sich der Aufsichtsrat das Heft des Handels aus der Hand nehmen ließ", betonte Keitel. Die Nominierung von Porsche-Chef Wendelin Wiedeking und Münchener-Rück-Chef Hans-Jürgen Schinzler als neue Telekom-Aufsichtsräten sei positiv. "Sie haben internationale Erfahrung. Das tut dem Unternehmen gut." (dpa) / (jk)