Irak-Krieg: Weitgehend Ruhe an der Cyberfront

Trotz zahlreicher Verlautbarungen in den letzten Wochen über eine mögliche Gefährdung der USA durch Cyberterrorismus und Cyber-Gegenschläge der USA wird der Irak-Krieg offensichtlich weitgehend konventionell geführt.

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Von
  • Wolfgang Stieler

Trotz zahlreicher in den letzten Wochen und Monaten lancierter Verlautbarungen und Spekulationen über eine mögliche Gefährdung der USA durch Cyberterrorismus und Cyber-Gegenschläge der USA wird der Irak-Krieg offensichtlich weitgehend konventionell geführt. Die Angriffe der USA und ihrer Verbündeten konzentrieren sich nach Medienberichten auf strategische Ziele -- so sollen britische und amerikanische Truppen auf der Halbinsel El Fau in Südirak gelandet sein. El Fau liegt gegenüber der kuwaitischen Grenze am Persischen Golf westlich der Hafenstadt Umm Kasr. Die Soldaten hätten die Aufgabe erfüllt, Ölfelder vor der Zerstörung durch irakische Truppen zu erobern, heißt es. Weitere Einheiten sind nach CNN-Berichten mittlerweile rund 150 Kilometer auf irakisches Gebiet vorgedrungen.

Laut Wall Street Journal warnen Experten im Irak befindliche Journalisten davor, allzu exzessiv Gebrauch von Satelliten-Telefonen zu machen. Die US-Streitkräfte würden wahrscheinlich davon ausgehen, dass sich die Kommandeursebene der irakischen Armee über solche Satellitentelefone verständigten, und die Peilung dieser Signale als Ziele für Bombardierungen nützen, heißt es.

Berichte über "Cyber-Angriffe" im Internet bleiben dagegen bisher Einzelfälle: Gerüchte, im Zuge der US-Angriffe sei die Website der irakischen Regierung durch solche Cyber-Angriffe aus dem Internet gezwungen worden, konnten bisher nicht bestätigt werden. Der Gründer und Betreiber der Politech-Mailingliste, der Journalist Declan McCullagh, berichtet, der Server sei nach wie vor erreichbar, allerdings wegen zahlreicher Zugriffe heillos überlastet. Die Site des Irakischen Fernsehens ist wieder erreichbar, allerdings funktionieren die Streaming-Angebote nicht.

Eine seit letztem Jahr aktive pro-islamische Crackergruppe hat unterdessen mehrere hundert Websites überschrieben und ein "neues Zeitalter des Cyberwar" angekündigt. Die Unix Security Guards (USG) markierten einige hundert Webseiten mit arabischen und englischen Parolen. Die muslimischen Hacker Egyptian Fighter, rD, Inkubus, ShellCode und andere Mitglieder aus verschiedenen arabischen Ländern, die sich letztes Jahr zu USG zusammengeschlossen haben, hatten zunächst israelische Websites im Visier, aber auch schon 2002 Massenhacks gestartet, in denen sie "Freiheit für die Palästinenser" forderten, einen Krieg gegen den Irak verurteilten und sich gegen "die USA und ihre Vasallenstaaten" wandten.

Siehe dazu auch in Telepolis:

Zur Situation angesichts des Irak-Kriegs siehe auch: (wst)