Adobe baut Firmenlösungen mit neuen Acrobat-Editoren aus

Mit drei Varianten des neuen Dokumenteneditors Acrobat 6.0 will Adobe seine Position im Unternehmensgeschäft stärken. Dem Spezialisten für Druckaufbereitung ist selbst vor Microsofts Office-Übermacht nicht bange.

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Von
  • Erich Bonnert

Mit drei Varianten des neuen Dokumenteneditors Acrobat 6.0 will Adobe seine Position im Unternehmensgeschäft stärken. Dem Spezialisten für Druckaufbereitung ist selbst vor Microsofts Office-Übermacht nicht bange. Die kürzlich 20 Jahre alt gewordene Softwarefirma aus San Jose sieht ihre besten Chancen im Geschäft mit Finanzdienstleistern, der Fertigungsindustrie und insbesondere der öffentlichen Verwaltung. In diesen Bereichen ist das Druckformat PDF seit langem fester Bestandteil der internen Organisation, denn aus rechtlichen wie zahlreichen praktischen Gründen müssen große Verwaltungen Dokumente in der gleichen Form aufbewahren wie sie gedruckt werden.

Drei unterschiedliche Nutzergruppen in Büros und Amtsstuben geht Adobe jetzt mit entsprechenden Programmversionen an. Erste Details wurden bereits Mitte März bekannt, nun machte Adobe die Dreifach-Strategie offiziell: Acrobat 6.0 Professional ist für Grafiker, Ingenieure und andere Spezialisten gedacht. Adobe hebt speziell die Anbindung an CAD- und ERP-Software hervor. Damit sollen strukturierte Daten, etwa aus SAP-Programmen oder AutoCAD-Konstruktionen, übernommen und in anderen Bürodokumenten gespeichert oder ausgedruckt werden. Derzeit beschränkt sich der Import noch auf AutoCAD, sowie die Microsoft-Programme Visio und Project. Macro-Aufzeichnungsfunktionen erlauben die Automatisierung von Bearbeitungsschritten, etwa bei der Umwandlung in PDF-Dateien. Hyperlinks und Daten aus Flash-Animationen bleiben dabei im PDF-Dokumente erhalten. Adobe hat überdies noch eine 128-Bit-Verschlüsselung der Dokumente eingebaut, ebenso wie eine optionale Passwortabfrage bei der Übertragung. Die Weitergabe per E-Mail kann überdies mit Zertifikat- und Public-Key-Strukturen eingebunden werden. Die Professional-Version kommt als Update zum Preis von 149 US-Dollar auf den Markt, die normale Version kostetn 449 US-Dollar. In Europa liegen die Preise bei 210 Euro für das Update und 650 Euro für die Vollversion.

Die Standard-Edition ist weniger für gestalterische Arbeiten als vielmehr zum Ändern und Kommentieren von Dokumenten gedacht, sowie zur Steuerung und Protokollierung des gesamten Erstellungsprozesses. Die Software soll damit gleichzeitig die Erstellungs- und Archivierungsabläufe steuern helfen und so zu einem zentralen System im Arbeitsfluss werden. Alle Import- und Exportfunktionen aus der Professional-Version sind vorhanden, inklusive Umwandlung von Microsoft-Office- in PDF-Dateien durch einmaliges Klicken. Ein Update kostet 99 US-Dollar beziehungsweise 135 Euro, die Vollversion 299 US-Dollar beziehungsweise 430 Euro.

Acrobat Elements soll die "Gleichschaltung" der Dokumentenlandschaft innerhalb von Organisationen fördern. Die wichtigsten Funktionen dieser Elementarversion sind Konversion von Geschäftsdokumenten in PDF-Dateien sowie Versand und Ausdruck in einheitlichem Format. Die Software wird in Lizenzen ab 1000 Benutzer zum Preis von 28 US-Dollar angeboten, in Europa für 36 Euro. Der Acrobat 6.0 Viewer schließlich bleibt als Werkzeug zum Betrachten und Ausdrucken von PDF-Dateien weiterhin kostenlos. Das zuletzt bereits recht erfolgreiche Geschäft mit PDF-Werkzeugen will Adobe Zug um Zug zum wichtigsten Standbein des Unternehmens ausbauen. Der Print-Spezialist orientiert sich dabei an typischen papierbasierten Arbeitsprozessen in Firmen und Verwaltungen, die schrittweise an die reine Online-Verarbeitung herangeführt werden sollen. Die Bedeutung von Adobes PDF-Format bei den bisherigen papierorientierten Prozessen könnte den Kaliforniern einen riesigen Markt öffnen. Auf über 3 Milliarden Dollar veranschlagt beispielsweise die Beratungsfirma Metagroup den Markt für elektronische Formulare für das nächste Jahr. Obwohl über 90 Prozent aller Geschäfts- und Verwaltungsdokumente mit Microsoft-Office-Software erstellt werden, dominiert beim Drucken Adobes hauseigenes Format.

Vor einem Jahr übernahm Adobe den kanadischen Hersteller Accelio, ein Spezialist für elektronische Formulare. Mit Hilfe der Accelio-Technologie und der Web-Beschreibungssprache XML können nun Bestandteile aus elektronisch ausgefüllten Web-Formularen in Acrobat-Dokumente übernommen und weiter verarbeitet werden. Im Herbst letzten Jahres erschienen erstmals Adobes Document Server und die dazu passenden Reader Extensions, mit denen PDF-Formulare mit Hilfe des kostenlosen Acrobat-Readers ausgefüllt und online übermittelt werden können.

Auch Microsofts neue Office-Suite 2003 wird solche Funktionen unterstützen, ebenso wie Workflow-Funktionen mit Hilfe der Infopath-Komponente. Allerdings sind diese neuen Eigenschaften nur für Nutzer von Windows 2000 und XP erhältlich. Adobes Trumpf liegt jedoch darin, dass das PDF-Format auf praktisch allen Desktop-Plattformen unterstützt wird, inklusive Macintosh und Linux. Genau dies benötigen die meisten Großunternehmen und alle öffentlichen Verwaltungen, speziell wenn Dokumente mit Kunden und Geschäftspartnern ausgetauscht werden. (Erich Bonnert) / (wst)