Irgendwie Fundamental unspAnnend
In Berlin ist noch bis Mittwoch Funkausstellung. Ich muss zugeben, dass mich die Messe noch nie so wenig interessiert hat wie dieses Jahr. Denn: Konvergenz ist längst hier. Wer braucht da schon dezidierte Veranstaltungen für Unterhaltungselektronik?
Es gab eine Zeit, da kannte ich in dieser Jahreszeit nur einen Ort, an dem ich am liebsten war: Das große Berliner Messegelände mit seiner Internationalen Funkausstellung. Es war stets ein echter Thrill, sich die neuesten Geräte anzusehen, medialen Großereignissen und Stars beizuwohnen und endlich einmal das direkte Gespräch mit Herstellern zu suchen, deren Unterhaltungselektronikprodukte man so gerne bei sich zuhause einsetzte.
Doch das war alles einmal. In diesem Jahr muss ich zugeben, dass der einzige Grund, warum ich in Berlin neben dem üblichen Pressemitteilungsbombardement überhaupt etwas von der IFA 2009 mitbekam, das stellenweise Auftreten von Messetüten an großen Umsteigebahnhöfen war.
Es muss die Frage erlaubt sein, ob angesichts der (auch auf der IFA nahezu jedes Jahr herbeigesehnten) Konvergenz zwischen Computertechnik, Internet und Entertainment-Gerätschaften ein derartiges Großereignis noch in diesem Ausmaß notwendig ist. Kein Wunder eigentlich, dass inzwischen sogar Haushalts- und Küchengeräte auf die Messe gelassen werden.
Denn: Auch die großen Themen in diesem Jahr, HDTV (mal wieder) und 3D zuhause, sind nichts, was reguläre PC-Benutzer vom Hocker reißen könnte. Hochauflösendes gibt es längst bei iTunes in 720p und Originalsprache und dreidimensionale Videospiele kennt der User (samt Shutterbrille) schon seit Jahren.
Und überhaupt: Das hochauflösende Fernsehen. Es ist erschreckend, wie lange die TV-Anstalten hier zu Lande gebraucht haben, bis sie die Technik überhaupt adaptierten. Und nun geht das Theater erst richtig los: ARD+ZDF verwirren die Kunden mit unterschiedlichen Formaten, während die Privaten ihre Zuseher mit Dekodern, die man auch noch zusätzlich für teures Geld samt Zwangsabo erwerben muss, an die Kette legen wollen - Werbung vorspulen war gestern.
Ein bisschen passt das HDTV-Trauerspiel zur Antiquiertheit der Messe: Da versucht eine Branche, die sich rasanten Umwandlungsprozessen angesichts des unaufhaltsamen Vordringens von Internet-Technik ausgesetzt sieht, die Nutzer nachträglich zu knebeln. Wie sie reagieren werden? Mit zunehmendem Abschalten und dem Besorgen von Unterhaltung auf anderen (Online-)Kanälen. Genauso wie bei der IFA die Besucherzahlen inzwischen fast jedes Jahr schrumpfen. (wst)