Kraftwerk im Keller

Der Ökostrom-Anbieter „Lichtblick“ will nach eigenen Angaben ab 2010 bundesweit ein Mikro-Blockheizkraftwerk zur Miete anbieten. Das Konzept klingt auf den ersten Blick zu schön, um wahr zu sein.

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Der Ökostrom-Anbieter „Lichtblick“ will nach eigenen Angaben ab 2010 bundesweit ein Mikro-Blockheizkraftwerk zur Miete anbieten. Das Konzept klingt auf den ersten Blick zu schön, um wahr zu sein: Der Kunde kriegt das Gerät für einen verhältnismäßig moderaten Preis und nutzt die erzeugte Wärme. Die wird in einem Wärmespeicher gespeichert. Das Aggregat springt nur dann an, wenn der Anteil an erneuerbaren Energien im Stromnetz gerade besonders gering ist. Dann wird der Strom ins Netzt eingespeist – das System erreicht fantastische Wirkungsgrade von mehr als 90 Prozent. In der ersten Ausbaustufe sollten die Dinger noch mit Erdgas laufen, in der zweiten dann sogar mit Biogas.

Die Marketing-Strategen von Lichtblick nennen das „Schwarmstrom“. Sie wollen mit Hilfe von 100.000 Kleinstkraftwerken im Bedarfsfall innerhalb von Minuten bis zu 2000 Megawatt Leistung bereitstellen – das entspricht der Leistung von zwei durchschnittlichen AKWs. Lässt sich aber viel schneller und besser regeln, als ein Großkraftwerk, und wäre damit sozusagen die perfekte Ergänzung für Erneuerbare Energien.

Natürlich ist das nicht wirklich ein Schwarmsystem – das wesentliche an einem Schwarm ist ja gerade, dass er dezentral und selbstorganisiert funktioniert, während hier eine zentrale Steuerungsinstanz nötig ist. Wer also versucht, mir das als Schwarm zu verkaufen, hat entweder nicht verstanden, was ein Schwarm ist, oder versucht mich auf eine falsche Fährte zu locken. Und meine Oma hat immer gesagt: „Wer mit dem Teufel essen will, braucht einen langen Löffel“. Deswegen frage ich mich jetzt die ganze Zeit: Wo ist der Haken? Schön, die machen ihren Schnitt damit: Lichtblick kassiert für jede eingespeiste Kilowattstunde 5 Cent Einspeisevergütung, und kann den erzeugten Strom an der Strombörse verkaufen. Da lag der durchschnittliche Preis bei sechs Cent pro Kilowattstunde – in Spitzenzeiten kann das natürlich sehr viel viel mehr sein. Wenn der Kunde seinen Strom von Lichtblick kauft – vom Zuhause-Kraftwerk kann er ja nur die Wärme nutzen – muss er dafür rund 20 Cent pro Kilowattstunde zahlen. Eigentlich wäre es viel sinnvoller, auch den erzeugten Strom gleich vor Ort zu verwenden.

Auf der anderen Seite liefert und wartet das Unternehmen die Anlage, die normalerweise eine ganze Ecke teuerer ist, als die 5000 Euro, die jetzt als „Zuschuss“ des Betreibers gezahlt werden müssen. Und der Kunde muss dann nur noch etwa 20 Euro pro Monat zahlen, bekommt dafür aber das Gas, um die Anlage zu befeuern. Normalerweise bekommt man seine Butze für das Geld nicht warm. Also, wo ist der Pferdefuß? Sollte es sie wirklich geben, die sagenumwobene Synthese von Ökonomie und Ökologie? Ich kann es eigentlich immer noch nicht glauben. (wst)