Chinesischer Schulterschluss gegen "Google-Invasion"
Rund 200 chinesische Websites sind der China Search Alliance beigetreten, um Google Paroli bieten zu können.
Die Betreiber von 200 chinesischen Websites wollen offenbar verhindern, dass die Suchmaschine Google im Reich der Mitte großen Fuß fassen kann: Sie sind der China Search Alliance (CSA) beigetreten. Die Internet-Anbieter reagieren damit auf Pläne von Google, sich in der Volksrepublik über eine Agentur vertreten zu lassen, heißt es in chinesischen Medien. Auch Sina.com, Chinas populärster Suchmaschinen- und Portalbetreiber, werde kommende Woche der Allianz beitreten.
Die CSA ist im September 2002 vom Newsportal China.com initiiert worden und hatte ursprünglich 30 Mitglieder. Seit Google seine Pläne für China bekannt gegeben habe, habe die Organisation einen großen Zulauf registriert, hieß es; schließlich hätten die Suchmaschinenbetreiber den Ruf, sich mit großer Geschwindigkeit festzusetzen und auszubreiten. Ziel der Allianz ist, sich zunächst 20 Prozent Anteil am chinesischen Markt für Suchmaschinen zu sichern und diesen im kommenden Jahr auf 50 Prozent auszuweiten.
Die CSA bietet seit März ihren ersten gebührenpflichtigen Search-Ranking-Service an. Ähnlich wie bei Google oder anderen Suchmaschinen können Kunden für Schlüsselwörter oder Suchkataloge Gebühren zahlen und werden entsprechend bei Suchergebnislisten an prominenter Stelle platziert. Weitere kostenpflichtige Dienste sollen folgen. In China nutzen schätzungsweise 97 Prozent der Netzbesucher monatlich mindestens eine Suchmaschine. Der Markt für kostenpflichtige Ranking-Dienste wird derzeit auf 24 Millionen US-Dollar geschätzt.
In China ist das Internet allerdings stark reglmentiert; Inhaltsanbieter unterliegen staatlicher Aufsicht und Zensur; Zuwiderhandlungen wurden bereits mehrfach mit Gefängnisstrafen geahndet. Suchmaschinen wie Google und Altavista wurden schon einmal auf Grund der Zensurbestimmungen gesperrt. Auf der anderen Seite haben einige Anbieter, darunter auch nicht chinesische Internet-Dienstleister wie Yahoo, sich in einer "Erklärung für Selbstdisziplin der chinesischen Internet-Branche" zur Einhaltung der Bestimmungen der chinesischen Regierung verpflichtet. (anw)