Baan auf dem Gleis nach irgendwo

Das niederländische Softwarehaus Baan soll wieder in andere Hände übergehen.

vorlesen Druckansicht 34 Kommentare lesen
Lesezeit: 2 Min.
Von
  • Hans-Peter SchĂĽler

Das niederländische Softwarehaus Baan soll in andere Hände übergehen. Mehr als die Absicht, das Unternehmen zu veräußern, wollte der jetzige Eigentümer Invensys allerdings noch nicht bekannt geben.

Baan, Produzent von ERP-Lösungen (Enterprise Resource Planning), war, ausgehend von Anwendungen zur Produktionssteuerung, in den 90er Jahren zum bedeutendsten Rivalen des Platzhirsches SAP avanciert. Die Firma geriet aber durch unsaubere Geschäfte der Firmengründer, der Gebrüder Baan, in wirtschaftliche Schwierigkeiten und war im Jahr 2000 für gut 700 Millionen US-Dollar vom britischen Softwarekonzern Invensys geschluckt worden.

Dort hatte man zunächst nichts Wichtigeres zu tun, als sich den kompletten Aktienbestand der neuen Tochter zu sichern, um damit den Handel mit Baan-Aktien an der Amsterdamer Börse zu beenden und den maroden Betrieb aus den Schlagzeilen zu bringen. Das Unterfangen gelang; in der Folgezeit agierte das Softwarehaus eher unauffällig und machte nur mit gelegentlichen Produkt-Neuigkeiten von sich reden. Dass trotzdem nicht alles nach Plan lief, offenbart etwa Invensys? Zwischenbericht vom September 2002, in dem unter ferner liefen auch das strategische Ziel "Recover Profitability" für Baan auftaucht, anvisiert durch ein rigides Kostenmanagement und die Wiederbelebung etablierter Markenzeichen.

Jetzt, drei Jahre nach der Übernahme, will sich Invensys wieder von Baan trennen und sucht einen Käufer. Die Invensys-Strategen dürften sehr an Baans Fortbestand interessiert sein: Der Konzern hat Produkte und Kundschaft des Barnevelder Tochterunternehmens systematisch mit seinen anderen Sparten zusammengeführt -- Baan jetzt zu liquidieren, hieße, bedeutende Kunden anderer Invensys-Produkte im Regen stehen zu lassen. Marktkenner erwarten allerdings auch gar keine Existenzgefahr für Baan. Ende Mai, wenn Invensys Details für eine Veräußerung bekanntgeben will, könnten sich nach Analystenmeinung Kaufinteressenten wie Peoplesoft zu erkennen geben. (hps)