Amazon wegen mangelhaftem Datenschutz für Kinder unter Beschuss

11 Verbraucherschutz- und Privacy-Organisationen werfen mit Amazon USA der ersten allgemeinen Website einen Verstoß gegen den Children's Online Privacy Protection Act vor.

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Von
  • Jürgen Kuri

11 Verbraucherschutz- und Privacy-Organisationen werfen Amazon USA mangelhaften Schutz von Kindern vor der Sammlung privater Daten vor. Das Electronic Privacy Information Center (EPIC) hat zusammen mit den anderen Organisationen, darunter der Consumer Federation of Amercia, Junkbuster und den Computer Professionals for Social Responsibility, eine Beschwerde bei der Federal Trade Commission (FTC) eingereicht: Amazon.com verletze den Children's Online Privacy Protection Act (COPPA). Das 2000 in Kraft getretene Gesetz sieht unter anderem drastische Geldbußen für Firmen vor, die persönliche Daten von Kindern unter 13 Jahren ohne Einwilligung der Eltern erheben.

Beobachter in den USA messen der Beschwerde der Privacy-Gruppen gegen Amazon einige Bedeutung zu: Zum ersten Mal wird die FTC gezwungen, eine Entscheidung wegen des COPPA bei einer allgemeinen Website zu treffen, die sich nach eigenen Aussagen nicht speziell an Kinder richtet. Bisherige Untersuchungen beschäftigten sich im Allgemeinen nur mit den Auswirkungen des COPPA auf spezielle Kinder-Sites.

Die Verbraucherschutzgruppen werfen Amazon vor, der Online-Shop lasse Kinder beispielsweise Kritiken von Spielwaren schreiben, ohne dass die Zustimmung der Eltern dafür eingeholt werden. Zwar würden die Berichte von Amazon-Mitarbeitern vor dem Freischalten überprüft, trotzdem fänden sich dort teilweise Angaben etwa über den vollen Namen, Spitznamen, Wohnort und E-Mail der Kinder, wie das EPIC in der Beschwerde aufführt. Auch richteten sich einzelne Amazon-Bereiche direkt an Kinder, ließen es aber zu, dass diese sich dort unter Angabe persönlicher Daten registrierten und der Öffentlichkeit präsentierten, erklärt das EPIC, das eine eigene Seite mit Informationen zum COPPA betreibt. Ein grundlegender Fehler bei Amazon sei bereits, dass man sich einen Account ohne Altersangabe besorgen könne.

Amazon selbst sieht die Beschwerde als grundlos an, da man keine Seite speziell für Kinder betreibe, sondern sich an Erwachsene richte. Immerhin schreibt Amazon auf seiner Site, der Dienst sei für die Nutzung durch Erwachsene gedacht und für Nutzer unter 18 Jahren nur bei Beteiligung der Eltern oder einer anderen Aufsichtsperson vorgesehen. Allerdings gab man gegenüber US-Medien zu, dass der Vorwurf in der Beschwerde, eine spezielle Kid's Review Form, die der Online-Shop für Kinder vorsehe, funktioniere nicht richtig, teilweise zutreffe. Man habe aber an der Behebung des Problems schon gearbeitet, bevor die Beschwerde bei der FTC eingereicht worden sei. Sollte dagegen eine Produktbesprechung eines Kindes mit persönlichen Daten durch das Kontrollsystem rutschen, entferne man sie, sobald man davon erfahre. (jk)