IT-Experten: Business Intelligence und Virtualisierung sind ernstzunehmende Trends
Während das Thema Cloud Computing zur "Luftblase" zu verkommen droht, spielen Business Intelligence und Virtualisierung 2009 eine gewichtige Rolle in IT-Projekten, wie eine aktuelle Umfrage der IT-Personalagentur Gulp zeigt.
(Bild:Â Gulp)
Alljährlich im Herbst verkünden die Analysten von Gartner zehn zentrale Trends, die im kommenden Jahr eine prägende Rolle in der IT-Branche spielen sollen. Für 2009 zählten dazu beispielsweise Bereiche wie Cloud Computing, Virtualisierung, Green IT und Social Software (Soziale Netzwerke/Enterprise 2.0). Welche Relevanz diesen Trends in der Praxis tatsächlich zukommt und welche Themen möglicherweise wie "Luftblasen" platzen werden, wollte die IT-Personalagentur Gulp wissen und befragte zur Jahresmitte sowohl IT-Freelancer wie auch IT-Projektanbieter.
Wie die Auswertung der Umfrage ergab, stimmen die IT-Experten nicht in allen Fällen mit den Gartner-Analysten überein. Insbesondere bei dem auch von vielen Herstellern wie IBM, Microsoft oder Oracle überstrapazierten Begriff des Cloud Computing gehen die Meinungen doch deutlich auseinander. Über die Hälfte der von Gulp befragten IT-Freiberufler halten das Thema für eine "Luftblase" – unter den Projektanbietern sind es sogar fast 70 Prozent. Die Marktforscher von Gartner sind hingegen überzeugt, dass der wachsende Kostendruck in den Unternehmen die Verbreitung von Cloud Computing vorantreiben wird. Auch wenn derzeit noch vorwiegend große Firmen davon profitieren können, sollen die mit Web-Technologie entwickelten und angebotenen, flexibel skalierbaren IT-Dienste langfristig auch kleineren Unternehmen Kostenvorteile bescheren. Im Projektalltag der IT-Branche ist Cloud Computing allerdings noch nicht etabliert.
Eine ähnlich deutlich auseinander klaffende Einschätzung fand Gulp beim Thema "Enterprise 2.0/Social Software". Zwei Drittel der IT-Freiberufler und über 70 Prozent der Projektanbieter wittern hier ebenfalls eine "Luftblase". Unternehmens-Blogs, Wikis, Twitter und andere Elemente von Social Software sollen nach Einschätzung von Gartner die Kommunikation in den Firmen beleben und auf diese Weise zu einem regen Wissens- und Erfahrungsaustausch beitragen. Davon versprechen sich die Analysten nicht nur eine effizientere Zusammenarbeit innerhalb des Unternehmens, sondern auch entscheidende Impulse für das Kunden- und Partnergeschäft. Auf das Projektgeschäft hierzulande wirken sich diese Aussichten offenbar jedoch noch nicht aus.
Ein ganz anderes Bild ergibt sich aber mit Blick auf das Thema Virtualisierung – hier sind sich Marktforscher und IT-Experten aus der Praxis einig. Für gut zwei Drittel der von Gulp befragten Projektanbieter und IT-Freiberufler spielt Virtualisierung im Alltag schon heute eine ernstzunehmende Rolle. Dabei kommt zum Tragen, dass der Einsatz von Virtualisierungstechnik für die Unternehmen handfeste Vorteile mit sich bringt – sowohl bei der Virtualisierung von Servern, Storage wie auch Desktops. Neben Effizienzsteigerungen bei der Auslastung der Systeme spielt die zentrale Verwaltung und Wartung eine entscheidende Rolle. Mit Hilfe von Virtualisierungslösungen lassen sich im Einzelfall Kosteneinsparpotenziale ausschöpfen – unter Umständen sogar im Hinblick auf den Strombedarf.
Die Senkung von Energiekosten ist allerdings auch ein zentraler Aspekt der so genannten Green IT, die daher bei den Marktforschern ganz weit oben auf der Agenda steht. Eine Einschätzung, die im Übrigen auch die von Gulp befragten Projektanbieter teilen. Über zwei Drittel stufen Green IT als einen der wichtigen Trends der Branche ein – unter den IT-Freiberuflern schließen sich immerhin noch gut die Hälfte dieser Meinung an. Während ökologische Beweggründe eher eine Nebenrolle spielen, sind die ökonomischen Ziele der Unternehmen – ihre IT-Kosten deutlich zu senken – bisher die treibende Kraft hinter den Green-IT-Aktivitäten. Vor dem Hintergrund der schwächelnden Konjunktur und weiter steigender Energiekosten, dürfte das Interesse an "sparsamer" IT eher noch weiter wachsen.
Gesteigerte Aufmerksamkeit widmen die Unternehmen allerdings auch der strategischen Geschäftsplanung – eine wesentliche Voraussetzung dafür ist die übergreifende Sammlung, Sichtung und Analyse von Daten via Business Intelligence-Werkzeuge. Auch wenn nach Einschätzung von Gartner die überdurchschnittlichen Wachstumsraten im BI-Markt der Vergangenheit angehören, bleibt Business Intelligence eines der wichtigsten Themenfelder der IT-Branche. Das sehen auch die von Gulp befragten IT-Experten so – nahezu 70 Prozent stufen BI als ernstzunehmendes Thema für das IT-Projektgeschäft ein. Dies spiegelt sich unter anderem auch in der Nachfrage nach BI-Experten wider. Allein bei Gulp wurden in den zurückliegenden 12 Monaten gut 4500 Projekte ausgeschrieben, die sich an Freelancer mit BI-Know-how richteten. (map)