PC-Ware: Von Fusionen und Übernahme profitiert häufig vor allem die Konkurrenz
Wie von heise resale bereits im Juni vorhergesagt, verabschiedet sich PC-Ware nach der Übernahme durch Raiffeisen Informatik aus dem Hardware-Geschäft. Die Konkurrenten reiben sich die Hände.
PC-Ware-Chef Dr. Klaus Elsbacher
(Bild: PC-Ware)
Lieber PC-Ware-Chef Dr. Klaus Elsbacher,
was ich bereits in meiner Kolumne vom 25. Juni als wahrscheinliches Szenario vorhergesagt habe, ist nun Fakt: PC-Ware steigt aus dem Hardware-Geschäft aus. Also genaugenommen keine große Überraschung. Sie selbst begründen diese Entscheidung in einer Adhoc-Mitteilung vom 9. September (Überschrift: "Verbesserung der Kostenstruktur durch Schließung von Geschäftsfeldern") damit, dass mit Hardware kein Geld mehr zu verdienen sei. Das ist natürlich Unsinn, wie Wettbewerber von Ihnen zeigen (Computacenter, Bechtle, Cancom und andere). Dass Sie, lieber Herr Elsbacher, keine Möglichkeit sehen, das Hardware-Geschäft profitabel zu betreiben, wie Sie in der Adhoc-Mitteilung schreiben, bedeutet in keinster Weise, dass es diese Möglichkeit nicht gibt. Aber richtig ist natürlich: Wer mit Hardware Geld verdienen will, der muss dieses Geschäft wirklich sehr genau kennen und es beherrschen. Und bei allem gebotenen Respekt: Hardware-Handel war und ist nicht das Kerngeschäft der neuen PC-Ware-Mutter Raiffeisen Informatik. Genau das war der Grund für meine Annahme aus dem Juni, dass sich bei PC-Ware in dieser Hinsicht etwas verändern werde. Also um es kurz zu machen: Man kann natürlich mit Hardware-Geld verdienen, aber es kann natürlich sein, dass Ihnen das Geld, das mit Hardware-Handel zu verdienen ist, nicht ausreicht, dass es zu wenig ist, dass Sie meinen, es lohne sich nicht, sich für solche Handelsspannen anzustrengen.
Der Rückzug von PC-Ware aus dem Hardware-Business ist für die 170 unmittelbar von Ihrer Entscheidung betroffenen Mitarbeiter eine schlechte Nachricht. Ihre Konkurrenten in diesem Segment wie Computacenter, Bechtle oder Cancom werden sich aber die Hände reiben, und vielleicht wird dort sogar ein Fläschchen Schaumwein geöffnet. Denn für sie ist es ein Geschenk, was Sie ihnen machen, und wie häufig bekommt man in diesem harten Business schon mal etwas geschenkt?!
In den Chefetagen der PC-Ware-Konkurrenten hatten nach der Ankündigung der Übernahme von PC-Ware durch den österreichischen IT-Dienstleister Raiffeisen Informatik mit Sicherheit einige Sitzungen mit nur einem einzigen Tagesordnungspunkt stattgefunden: "Was bedeutet diese Übernahme für uns und wie sollen wir darauf reagieren?" Da ich zu diesen Meetings nicht eingeladen und also nicht anwesend war, weiß ich nicht, was dort genau besprochen wurde, und ob bzw. welche Beschlüsse dort gefasst worden sind. Unmittelbar sichtbare Reaktionen der wichtigsten PC-Ware-Konkurrenten waren jedenfalls nicht zu beobachten. Und das ist, wenn man aktuellen Forschungsergebnissen glauben will, auch nicht die schlechteste Reaktion: gar nichts zu tun.
Die beiden Wissenschafter Clougherty und Tomaso Duso (beide vom Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung) haben herausgefunden, dass bei Fusionen von zwei Firmen häufig die unbeteiligte Konkurrenz ohne eigenes Zutun profitiert. Motto: Wenn zwei fusionieren, freut sich der Dritte. Die Wettbewerber seien in zweifacher Hinsicht Nutznießer: Zum einen natürlich, weil sich durch die Fusion nach der Übernahme die Zahl der Konkurrenten verringere, was unter anderem positive Folgen für das Preisgefüge im gesamten Markt haben könne. Und zum zweiten, weil fusionierte Firmen häufig erst einmal mit sich selbst beschäftigt seien und außerdem zahlreiche Fusionen eben auch komplett schiefgehen und aus Sicht der beteiligten Firmen nicht die erhofften Ergebnisse bringen würden. Kurzum: Die Wettbewerbsposition der Konkurrenten verbessert sich, ohne dass sie sich dafür anstrengen müssen. Ist das nicht schön? (Ausführlichere Beiträge zu diesem Thema finden Sie online bei der Financial Times Deutschland und in der Print-Ausgabe des Handelsblatt vom 9. September 2009 auf Seite 7 sowie voraussichtlich in Kürze auch auf der Handelsblatt-Homepage in der Rubrik Wissenswert. Der Aufsatz von Clougherty und Duso erscheint unter der Überschrift "The Impact of Horizontal Mergers on Rivals: Gains to Being Left Outside a Merger" demnächst im Journal of Management Studies).
Lieber Herr Dr. Elsbacher, vielleicht haben Sie absolut Recht damit, sich aus dem Hardware-Geschäft zu verabschieden. Vielleicht auch nicht. Das ist heute schwer zu sagen. Die Zukunft wird es zeigen. Vor dem Raiffeisen-Informatik-Hintergrund ist es jedenfalls nachvollziehbar und erscheint konsequent. Denn wie gesagt: Wenn man dieses schwierige Business so betreiben will, dass man auch Freude daran hat, dann muss man es wirklich wollen und können.
Beste Grüße!
Weitere Beiträge von Damian Sicking finden Sie im Speakers Corner auf heise resale. ()