3Com mischt sich in Rechtsstreit zwischen Cisco und HuaWei ein
3Com will vor Gericht feststellen lassen, dass gemeinsam mit HuaWei entwickelte neue Netzwerkgeräte nicht die Copyrights von Cisco verletzen.
Der traditionsreiche Netzwerkhersteller 3Com scheint etwas schockiert zu sein, dass sein Partner HuaWei sich vor Gericht gegen Cisco eine Einstweilige VerfĂĽgung einhandelte. Zwar konnte sich der Router-MarktfĂĽhrer Cisco nicht mit seiner Forderung durchsetzen, der chinesische Konkurrent mĂĽsse seine ganze Router-Software wegen illegalen Kopierens von Cisco-Code einstampfen. Ein Gericht in Texas legte aber in einer einstweiligen VerfĂĽgung fest, dass bestimmte Teile von HuaWeis Router-Software sowie HandbĂĽcher und Hilfe-Dateien nicht mehr benutzt werden dĂĽrfen, die einfach aus dem eigenen Quelltext der Cisco-Systeme kopiert worden seien. Nun will 3Com von dem Gericht feststellen lassen, dass gemeinsam mit HuaWei entwickelte neue Produkte nicht die Copyrights von Cisco verletzen.
Im März 2003 hatte 3Com ein Jointventure mit HuaWei angekündigt, um gemeinsam neue Router und Switches zu entwickeln. Die chinesische Firma hatte bereits verlauten lassen, eine einstweilige Verfügung wegen der Verletzung von Cisco-Copyrights könnte das Jointventure gefährden -- wenn Cisco sich mit der Forderung durchsetzen könne, dass sämtliche HuaWei-Software vorerst nicht mehr benutzt werden dürfe. Zwar ist Cisco damit vor Gericht nicht durchgedrungen -- 3Com aber scheint dem Frieden nicht ganz zu trauen und will nun sozusagen eine Unbedenklichkeitsbescheinigung für die neue Produkte des Jointventures, die man unter eigenem Label vertreiben will.
3Com demonstriere mit der Eingabe bei Gericht, dass die Firma sicher sei, die neuen Produkte unterschieden sich substanziell von denen, um die es in der Auseinandersetzung zwischen Cisco und HuaWei gehe, hieß es. Auch HuaWei erklärte in einer Eingabe, dass die neu entwickelten Geräte das Copyright von Cisco nicht verletzen würden -- für die bislang benutze Software hatte die Firma dagegen bereits selbst eingestanden, dass Teile tatsächlich aus dem Quelltext von Ciscos Router-System stammten.
3Com bezeichnet die Einstweilige VerfĂĽgung des Gerichts, nach der HuaWei diesen Code nicht mehr benutzen darf, ĂĽbrigens als Erfolg fĂĽr den chinesischen Partner: Immerhin gehe es nur um alte Produkte, die HuaWei bereits freiwillig vom Markt genommen habe. Die jetzige Eingabe vor Gericht soll dagegen offensichtlich vor weiteren MaĂźnahmen Ciscos schĂĽtzen: Der Router-Hersteller kĂĽndigte bereits an, nun den gesamten Source-Code von HuaWei unter die Lupe nehmen zu wollen, um das wirkliche AusmaĂź an Code-Diebstahl festzustellen. (jk)