Europas Halbleiterbranche will mehr Finanzhilfe
Heinz Kundert, Präsident des Brachenverbandes SEMI Europe, sieht die drei Halbleiterzentren in Dresden, Grenoble sowie im Dreieck Eindhoven, Leuven und Aachen gegenüber den USA und Asien im Nachteil..
Europas Halbleiterbranche hat mehr finanzielle Unterstützung von einzelnen Staaten oder der EU angemahnt. "Im Moment herrschen unfaire Bedingungen", sagte Heinz Kundert, Präsident des Brachenverbandes SEMI Europe, heute in Dresden, mit Blick auf Asien und die USA. Besonders die drei Zentren in Dresden, Grenoble (Frankreich) sowie im Dreieck Eindhoven, Leuven und Aachen bräuchten diese Unterstützung. Anderswo werde die Halbleiterindustrie als "Industrie von nationalem Interesse" wahrgenommen.
Dresden ist bis zum Donnerstag Gastgeber der Halbleitermesse Semicon mit 420 Ausstellern aus 27 Ländern. Sachsens Mikroelektronik zählt rund 200 Unternehmen mit etwa 20.000 Mitarbeitern.
Der Halbleitermarkt wird 2009 laut einer Prognose von SEMI-Chef Stanley T. Myers um bis zu 20 Prozent schrumpfen. 2010 stehe aber eine Erholung bevor. "Wir sind optimistisch, dass wir wieder prosperieren werden", sagte Myers. Auch der Geschäftsführer des Branchenverbundes Silicon Saxony, Heinz-Martin Esser, sprach von ersten Anzeichen eines Aufschwungs der Halbleiterindustrie weltweit. Die in Sachsen ansässigen Branchengrößen Global Foundries und Infineon Technologies seien "sehr viel optimistischer als noch vor sechs Monaten", fügte er an.
Myers warnte gleichzeitig davor, alles auf die Karte der 450-Millimeter-Wafer zu setzen. Er sei skeptisch, was den Aufbau dieser neuen Technik betreffe. Die Unternehmen hätten nicht genug Geld für dafür benötigte Investitionen. Die Produktion dürfte außerdem frühestens 2015 starten, prognostizierte er.
Ein Ende September von der EU veröffentlichtes Papier über eine Strategie zu modernen Schlüsseltechniken wurde begrüßt. Allerdings habe die Branche bereits vor einem Jahr entsprechende Empfehlungen in Richtung Brüssel gegeben. "Europäische Politik muss sich von Industriepolitik zu Innovationspolitik wandeln", sagte Esser.
Die Insolvenz des Chipherstellers Qimonda habe innerhalb von Silicon Saxony kompensiert werden können, resümierte Esser. Besonders die gute Entwicklung bei der Photovoltaik sei Ursache dafür. Qimonda hatte im Januar Insolvenzantrag gestellt. Derzeit wird das Unternehmen abgewickelt. (anw)