Doppelvermarktung von Filmen und Spielen mit TĂĽcken

Der Boykott des Kinofilms "Hulk" durch zahlreiche Kinobetreiber zeigt die Probleme auf, die bei der Verflechtung von Film- und Spielvermarktung entstehen können.

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Eigentlich sollte der Kinofilm "Hulk" heute als einer der Blockbuster des Kinosommers 2003 starten und damit auch gleich das dazugehörige Videospiel mit beflügeln. Zahlreiche deutsche Kinobetreiber, darunter die Cinemaxx-Kette und die Kinopolis-Gruppe, boykottieren den Film jedoch bislang: Der deutsche Verleiher United International Pictures (UIP) wollte neue Filmmieten-Staffeln festlegen. Demnach sollte Cinemaxx nach Angaben gegenüber heise online von jedem Euro Eintrittsgeld bis zu 55 Cent an UIP abführen. Bislang lag der Höchstsatz für die Kette bei 53,5 Prozent. Eine zukünftige Preiserhöhung für die Kinobesucher sei mit dem neuen Preisstaffeln auch nach Aussagen von Kinopolis nicht auszuschließen. Derzeit laufen weitere Verhandlungen.

Zuletzt hatte sich die kostenintensive Doppelvermarktung des Kinofilmes "Matrix Reloaded" (Warner Brothers) und des Computergames "Enter the Matrix" (Infogrames/Atari) bezahlt gemacht -- sowohl an der Kinokasse in den USA als auch im Spielehandel erreicht "Matrix" Rekordergebnisse. Universal Interactive befürchtet allerdings nicht, dass der Boykott von "Hulk" den Absatz ihres Video- beziehungsweise Computerspiels zum Film ins Stocken bringt. Unternehmenssprecherin Tanja Hohmann erklärte gegenüber heise online, dass man die Situation zwar allgemein bedauere, das Marketing für das Spiel aber bereits abgeschlossen sei. Schließlich seien Spiel und Film in den vergangegen Wochen massiv beworben worden, um das nötige Interesse zu erzeugen. Zudem habe das Spiel, das für PC sowie die Konsolen Gamecube, Playstation 2 und Xbox erschienen ist, einen eigenen Comic-Stil und gehe über die Geschichte des Kinofilms hinaus.

Dass es zwischen Spielehersteller und Filmproduzenten in diesem Bereich aber durchaus zu ernsteren Unstimmigkeiten kommen kann, zeigt die Meldung des Branchenblatts MCV: Publisher Activision hat gerade eine Klage gegen Viacom wegen Verletzung eines Lizenzabkommens bezüglich der Marke "Star Trek" eingereicht. Nach Ansicht von Activision hat es das Medienunternehmen sträflich vernachlässigt, diese Marke weiter auszubauen. Tatsächlich produzierte Viacom seit der Unterzeichnung des Vertrages 1998 nur einen einzigen Star-Trek-Kinofilm ("Nemesis"), Pläne für weitere Filme lägen bislang nicht vor. "Eine kontinuierliche Film- und TV-Produktion verbunden mit dem entsprechenden Marketing ist unerlässlich für Videospiele, die auf einer Marke wie Star Trek basieren", heißt es in der Klagebegründung.

Der japanische Unterhaltungselektronikkonzern Sony hatte bereits im August vergangenen Jahres erklärt, künftig stärker von Synergie-Effekten zwischen seiner Film- und seiner Elektroniksparte profitieren zu wollen. Damals hatte sich der Erfolg des Kassenschlagers "Spider-Man" der Sony-Tochter Columbia Pictures in den Verkaufszahlen des Playstation-2-Spiels zum Film widergespiegelt. Der Publisher Activision hatte das Spiel praktisch zeitgleich mit dem US-Kinostart des Films veröffentlicht. Das Unternehmen entwickelt derzeit Konsolenversionen zum Sequel des Kinofilms "XXX", die gemeinsam mit dem Film erscheinen sollen. (nij)