Napster-Erfinder dient sich der Musikindustrie an
Shawn Fannings Technik soll Tauschbörsen automatisch erkennen lassen, wenn ein urheberrechtlich geschütztes Werk getauscht wird.
Napster-Erfinder Shawn Fanning hat eine Technik entwickelt, durch die Tauschbörsen automatisch erkennen, wenn ein urheberrechtlich geschütztes Werk getauscht wird. Den Nutzern sollen je Musikstück Gebühren berechnet werden können. Dazu werden die Dateien jeweils mit einem "digitalen Fingerabdruck" versehen, der mit einer Datenbank abgeglichen werden soll, sobald ein Tauschbörsennutzer die Datei anbietet, berichtet die Los Angeles Times.
Anders als bei Napster -- ehemals einer der Hauptfeinde der Musikindustrie -- berücksichtigt Fanning also diesmal die Interessen der Rechteinhaber. Der mittlerweile 22-Jährige sei bereits bei einigen Plattenfirmen mit seiner Idee vorstellig geworden. Sollte diese Unterstützung finden, will Fanning erreichen, dass KaZaa und die anderen Tauschbörsen die Technik integrieren.
Grokster-Präsident Wayne Rosso räumt Fanning allerdings größere Chancen ein, Jugoslawien wiederzuvereinigen, als bei dem Vorhaben, die Plattenlabels unter einen Hut zu bekommen. Außerdem wollten die Musikliebhaber kein "Pay-per-track"-System, sondern lieber eine Art Abonnement für unbegrenzten Download. Damit Fannings System funktioniert, müssten sich sämtliche P2P-Netze auf seine Technik einlassen. Ansonsten würden die Nutzer schnell auf kostenlose Angebote ausweichen, meinen Kritiker.
Eine ähnliche Technik wollte Napster bereits vor zwei Jahren zur Filterung von Musikstücken anwenden, als die Tauschbörse unter starker Bedrängnis der Musikindustrie in den letzten Zügen lag. Mittlerweile hat sich Roxio die Rechte an Napster geschnappt. Die Tauschbörse soll Ende März 2004 als kommerzieller Download-Service wiederbelebt werden. (anw)