Mobiltelefon als Fitnesstrainer
Aktuelle Handys können jede Menge Daten sammeln - per GPS-Chip etwa die Position des Benutzers oder per Beschleunigungssensor seine Bewegungsfreudigkeit. Das macht interessante Sportanwendungen möglich, wie sie gerade am Saarbrücker DFKI getestet werden.
Es gab eine Zeit, die nicht einmal sehr lange zurückliegt, da war ein Handy kaum mehr als ein Gerät zum mobilen Telefonieren. Einzige Zusatzanwendung neben der Sprachkommunikation war die Möglichkeit, Kurznachrichten zu verschicken und zu empfangen. Zu viel mehr waren die eingebauten Steuerprozessoren auch gar nicht fähig, das Monochrom-Display für die Multimedia-Anzeige sowieso undenkbar.
Das hat sich radikal geändert. Heutzutage tragen wir hochleistungsfähige Smartphones in der Tasche, die die Rechenleistung früherer PCs deutlich übersteigen. Musik, Videos und 3D-Spiele - alles kein Problem. Zudem werden aus unseren Handys immer feinere Sensoren, die die Umgebung wahrnehmen. Mittels GPS-Chip ist etwa die Position ständig auf wenige Meter erfassbar und der Beschleunigungssensor weiß, wie sehr wir uns bewegen.
Forscher am Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) in Saarbrücken wollen solche und andere Features moderner Handys nutzen, um ganz neue Anwendungswelten zu schaffen, die im Beruf und der Freizeit hilfreich sein können. Das jüngste Projekt nennt sich "uRun" - zu Deutsch: "Du läufst".
Die Idee: Aus dem Handy soll eine Art Personal Trainer werden. Das Programmpaket, das sich derzeit in der Erforschung befindet und zusammen mit aktiven Sportlern getestet werden soll, erlaubt es beispielsweise, einen Lauftreff mit Freunden per Smartphone zu organisieren, die dann automatisch eingeladen werden. Sind die Handy-Besitzer dann auf der Piste, werden Laufgeschwindigkeit und Laufweg kontinuierlich erfasst. Eine Schnittstelle zu einem Herzfrequenzmessgerät erlaubt es, auch Vitalwerte zu speichern. uRun lernt zudem mit der Zeit: Der elektronische Fitnesstrainer analysiert die Daten nach einem erfolgreichen Lauf, kann Empfehlungen geben und sogar geeignete Routen in der Nähe vorschlagen. Will der Sportler den Lauf abbrechen, weil eine Strecke zu anstrengend ist, kann uRun außerdem automatisch leichtere Ausweichrouten vorschlagen.
Dirk Werth, Leiter des Bereiches "Business Integration Technologies" am DFKI, sieht in Projekten wie uRun einen möglichen Schritt hin zu einer stärkeren Nutzung mobiler Dienste im Alltag. Diese würden nicht mehr einfach nur von den Nutzern konsumiert, sondern entwickelten sich immer mehr zu einem integralen Bestandteil des täglichen Lebens. "Daraus ergeben sich zahlreiche neue Geschäftsmodelle, sowohl für Telekommunikationsprovider als auch für klassische Dienstleistungsunternehmen, wie hier beispielsweise für Fitnessstudios."
uRun läuft im Rahmen des europäischen Forschungsverbundes "Ubiquitous Service Infrastructure for the Mobile Super Prosumer", der neuartige mobile Dienste für unterschiedliche Lebensbereiche entwickeln und dafür auch gleich passende Geschäftsmodelle konzipieren soll. Zu den beteiligten Projektpartnern gehören neben dem DFKI auch der Smartcard- und Mobilfunk-Spezialist Sagem Orga, der IT-Lösungsanbieter Orga Systems, der Anwendungsentwickler Communology, die Universität Rostock sowie als Fachexperte das Deutsche Lauftherapiezentrum. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) ist Projektförderer.
Die DFKI-Forscher sehen in uRun nur eine von zahllosen neuen Anwendungsmöglichkeiten für vernetzte Handys, die bald in ein "Internet der Dienste" eingebunden sein sollen. Über die so genannte "uServices"-Plattform sollen Programme zentral verwaltet und angeboten werden, ohne dass der Nutzer über ein großes technisches Know-how verfügt. Dienste werden je nach aktueller Situation ausgewählt. "In Zukunft erwartet uns unser persönlicher Assistent, der uns in allen Lebenslagen aktiv und tatkräftig unterstützt, auf unserem Mobiltelefon", glaubt Werth.
Wichtig ist allerdings, dass die deutschen Forscher ihre Ideen schnell umsetzen und kommerzialisieren lassen. In Amerika steht etwa Apple mit seinem iPhone in den Startlöchern. Seit dem das Unternehmen im Sommer seine Programmierschnittstelle weiter öffnete, ist es auch möglich, Zusatzgeräte zum Erfassen etwa des Pulsschlags an das populäre Smartphone anzuklemmen.
(bsc)