Vom Kupferkabel zum Lichtwellenleiter
Mit eleganter Technologie schafft die Wiener Kabel-X in vergrabenen Altleitungen Platz für High-Speed-Netze - fast ohne Bagger, allerdings nicht überall ganz billig.
Alois Pichler, Leitungsbauer aus Wien, hat eine bestechende Lösung zur Glasfaservernetzung entwickelt, berichtet Technology Review in seiner aktuellen Ausgabe 10/09 (online portokostenfrei zu bestellen oder am Kiosk erhältlich). Eine bis zu 400 Meter lange Kupfer-Kabelstrecke wird an beiden Enden zugänglich gemacht. Durch eine Verbindungsmuffe pumpt Pichlers Unternehmen Kabel-X dann ein patentiertes Gleitmittel zwischen den Kabelmantel und die Kupferseele. Sobald das Gleitmittel den Zwischenraum ausfüllt und am anderen Ende herausschießt, kann man das Kupfer entnehmen. Gleichzeitig führt man am anderen Ende Leerrohre in den leeren Kabelmantel ein. In diese verbundenen Mini Ducts wird später Glasfaser "eingeblasen".
Ein vierköpfiges Team verarbeitet pro Tag in der Stadt rund 450 Meter, auf offener Strecke 900 Meter. Da Kabel-X sogar das Kupfer aus der Hausverkabelung rausziehen kann, ließe sich die Glasfaser direkt bis in die Wohnung verlegen. Solches "Fiber to the Home" gilt als heiße Zukunftstechnologie, weil sie die langsam ausgereizten Kupfernetze komplett und mit deutlich mehr Bandbreite ersetzen könnte. Die Deutsche Telekom hat Kabel X bislang allerdings noch kaum eingesetzt – nur auf einer Strecke von weniger als 100 Kilometern.
Allerdings steckt auch bei Kabel X der Teufel wie üblich im Detail: Für Fernstrecken, von denen die Telekom zahlreiche ungenutzte besitzt, die derzeit aus Kupfer bestehen, eignet sich der Ansatz nicht, weil sie im Gegensatz zum aktuell verwendeten "Einpflügen" der Glasfasern teurer wäre. Beim weiteren Ausbau des VDSL-Netzes am Stadtrand und in Vororten sieht Kabel X aber weiterhin gute Chancen. Hier ließen sich bis zu 95 Prozent gegenüber herkömmlichen Methoden Sparen, glaubt das Unternehmen.
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(bsc)