Musiker wollen Buymusic.com verklagen

Die Online-Musikplattform steht wegen ihrer Zusammenarbeit mit einem zwielichtigen Vertriebspartner in der Kritik -- der will anscheinend beim erwarteten Boom der kommerziellen Online-Musikdienste undurchsichtige Geschäfte machen.

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Von
  • Janko Röttgers

Jody Whitesides ist empört. Der kalifornische Musiker hat vor einigen Tagen die erst kürzlich gestartete Online-Musikplattform Buymusic.com ausprobieren wollen. Nur so zum Test suchte er mal seinen eigenen Alben -- und musste überrascht feststellen, dass Buymusic.com eines davon zum Schleuderpreis von knapp acht Dollar als Download anbot. Anders als die meisten Musiker vermarktet Whitesides seine Musik ganz ohne Unterstützung einer Plattenfirma selbst. Die Rechte an den Aufnahmen verbleiben damit in seinem Besitz. Er hatte Buymusic jedoch nie die Erlaubnis erteilt, seine Musik zu vertreiben. "Dies brachte mein Blut zum Kochen", ärgert sich Whitesides.

Sofort verlangte er von Buymusic.com, seine Platte aus ihrem Angebot zu entfernen. Außerdem recherchierte er zu den Hintergründen der Online-Plattform und fand dabei heraus, dass die Vertriebsfirma The Orchard zu ihren Partnern gehört. The Orchard trat 1998 mit dem erklärten Ziel an, unabhängigen Musikern ohne Plattenvertrag beim Vertrieb ihrer Alben behilflich zu sein. Whitesides schloss damals einen Vertrag mit der Firma ab, zeigt sich aber heute von ihr enttäuscht. "Ich bekam kein Geld von ihnen. Ich habe meine Platten nie wiedergesehen", so seine desillusionierte Bilanz. Mit diesen Erfahrungen steht er nicht ganz alleine da. Ein Brancheninsider bemerkte dazu gegenüber heise online: "Ich habe von zahlreichen Musikern und sogar ehemaligen Mitarbeitern gehört, dass es praktisch unmöglich ist, tatsächlich von der Firma bezahlt zu werden." Ungewöhnlich auch der Umgang der Firma mit unzufriedenen Kunden. Als Whitesides seine Geschäftsbeziehungen mit The Orchard aufkündigen wollte, erklärte man ihm lapidar, dies sei nicht möglich. Der Vertrag gelte für immer.

The Orchard brüstet sich auf seiner Website damit, in Zukunft Apples iTunes Music Store, Pressplay und zahlreiche weitere Online-Musikplattformen mit digitalen Downloads beliefern zu wollen. Buymusic.com macht offenbar den Anfang und hat zahlreiche Alben unbekannterer Musiker von dem Zwischenhändler lizenziert. Diese werden zu den in der Werbung genannten Preisen von 79 Cent pro Song und knapp acht Dollar pro Album angeboten. Die Alben etablierter Musiker kosten dagegen oftmals mehr. Whitesides dazu: "Das ist schlimmer als Filesharing, da diese beiden Firmen versuchen, ohne meine Zustimmung Geld mit meinem Material zu machen." Er glaube nach seinen bisherigen Erfahrungen nicht daran, dass er für die digitalen Downloads bezahlt werde. Die Buymusic.com-Sprecherin Stacey Doherthy erklärte auf Anfrage, nicht über diese Angelegenheit informiert zu sein. Zur Zusammenarbeit ihrer Firma mit The Orchard machte sie ausweichende Angaben. The Orchard selbst war nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.

Whitesides hatte Buymusic.com bereits vor einigen Tagen aufgefordert, seine Platte aus dem Angebot zu entfernen. Nachdem die Plattform dieser Forderung nicht nachkam, hat er nun seinen Anwalt eingeschaltet. "Ich habe ihnen bereits mitgeteilt, dass ich sie verklagen werde", betont Whitesides. Dabei kann er sich offenbar auf die Unterstützung anderer Musiker mit ähnlichen Problemen verlassen. Er habe bereits Kontakt zu Kollegen, die sich der Klage anschließen wollten, weiß er zu berichten. (Janko Röttgers) / (jk)