Mit Risiken und Nebenwirkungen?
Als erste deutsche Hochschule will die Universität Oldenburg einen Bachelor-Studiengang in Medizin einführen. Nun ist die Hölle los.
Als erste deutsche Hochschule will die Universität Oldenburg einen Bachelor-Studiengang in Medizin einführen. Nun ist die Hölle los.
Kennen Sie den? Wie erkennt man den Unterschied zwischen einem Philosophie- und einem Medizinstudenten? Ganz einfach, man gibt beiden ein Telefonbuch. Der Philosophiestudent fragt: „Was soll ich damit?“, der Mediziner: „Bis wann muss ich das auswendig lernen?“ Dieser Witz offenbart das ganze Ausbildungsdilemma angehender Ärzte: Viel zu viel Lernstoff, das meiste davon unnützer Ballast. Doch jetzt kündigt sich eine Reform an: Als erste deutsche Hochschule will die Universität Oldenburg einen Bachelor- und Master-Studiengang in Medizin einführen. Niedersachsen hat der Universität die Finanzierung des neuen Studiengangs bereits ab dem Wintersemester 2011/2012 zugesagt. Über die endgültige Realisierung der Pläne muss nur noch der Deutsche Wissenschaftsrat entscheiden – und der ist für seine positive Einstellung zu Bachelor und Master bekannt.
Die Kritiker aber laufen Sturm gegen diesen Vorschlag. Sie fürchten die schleichende Etablierung eines „Discount-Mediziners“, der schon nach einer Schmalspur-Ausbildung auf Patienten losgelassen wird. Der Deutsche Ärztetag konstatiert: „Ein künstliches und unnötiges Überstülpen des zweigliedrigen Systems auf das Medizinstudium führt ausschließlich zu Nachteilen für alle Beteiligten.“ Und der Medizinische Fakultätentag, in dem die Medizin-Lehrstätten zusammen-geschlossen sind, bezeichnet die Pläne schlicht als „grotesk“.
Natürlich steckt hinter der strikten Ablehnung der Medi-ziner auch ein gehöriges Stückchen Angst vor der sozialen Deklassierung. Schließlich ist kein anderer akademischer Be-ruf derartig aufgeladen mit einem nahezu mythischen Status-denken – wer will schon zweifeln an den Fähigkeiten der „Götter in Weiß“? Und diese Fähigkeiten soll man sich jetzt durch ein dreijähriges Studium erwerben können? Klar klingt das für jeden Mediziner auf den ersten Blick total lächerlich.
Nun haben sich die Oldenburger allerdings sehr bemüht, ihren Kritikern den Wind aus den Segeln zu nehmen. Zum einen seien Bachelor-Studiengänge der Medizin in anderen Ländern längst etabliert – beispielsweise in den Niederlanden und in der Schweiz. Zudem würden dort sowieso über 90 Prozent der Studierenden nicht mit dem Bachelor abgehen, sondern gleich noch einen Master dranhängen – insgesamt also auch fünf Jahre lang studieren. Für diejenigen aber, die das nicht vorhätten, gäbe es nun endlich einen berufsbildenden Abschluss und damit auch eine berufliche Perspektive. Schließlich, so heißt es zur ultimativen Beruhigung aus Oldenburg, sei es überhaupt nicht geplant, Medizin-Bachelors als Ärzte einzusetzen. Höchstens als Hilfskräfte sollen die Express-Mediziner in der Praxis auftauchen – angesiedelt zwischen Arzt und Pflegekräften.
Aber warum soll es eigentlich nicht möglich sein, intelligente junge Menschen in drei Jahren so auszubilden, dass sie praktisch medizinisch arbeiten können? Gut, man könnte einwenden...
(kd)