Richter lehnt Aufschiebungsgesuch der Uzans im Motorola-Fall ab
Ein US-Gericht hat den Antrag der Unternehmerfamilie Uzan abgelehnt, die Entschädigungszahlung in Höhe von mehr als vier Milliarden US-Dollar zurückzustellen, zu der sie das Gericht in der vorvergangenen Woche verurteilt hatte.
Ein US-Gericht hat den Antrag der türkischen Unternehmerfamilie Uzan abgelehnt, die Entschädigungszahlung in Höhe von mehr als vier Milliarden US-Dollar zurückzustellen, zu der sie das Gericht in der vorvergangenen Woche verurteilt hatte. Damit hat der zuständige Richter Jed S. Radkoff erneut die Behauptung der Uzans angefochten, die Verhandlungen müssten zunächst von einem Schiedsgericht in der Schweiz geführt werden. Dies geht aus einem Bericht des Wall Street Journal hervor.
Motorola und die finnische Nokia hatten im vergangenen Jahr gegen die türkische Familie Uzan geklagt, weil diese unter dem Vorwand, mit ihrer Telekommunikationsfirma Telsim ein Funknetzwerk in der Türkei aufbauen zu wollen, Kredite in Milliardenhöhe von Motorola und Nokia erschlichen hatte. Tatsächlich, so das Gericht, hätten die Uzans aber den Großteil des Geldes in ihren opulenten Lebensstil investiert. Die Gesamtforderung des Gerichts setzt sich zusammen aus dem Kredit in Höhe von 2,1 Milliarden US-Dollar und einer etwa gleich hohen Schadenersatzforderung. Darüber hinaus sollten die Uzans ihre Telsim-Anteile an das Gericht übergeben, damit auch Nokia abgegolten werden könne.
Der Richter begründete seine Entscheidung damit, dass die Familie ihre Forderungen zu keinem Zeitpunkt hätte glaubhaft machen können, heißt es in der Zeitung. Stattdessen hätten sie sich wiederholt seinen Anordnungen widersetzt. Bis zum 15. August habe er den Uzans nun Zeit gegeben, entweder eine Schuldverschreibung in Höhe von einer Milliarde US-Dollar vorzulegen oder eine Aussetzung seines Urteils vor einem Berufungsgericht zu erwirken. Damit zeigte sich der Richter vergleichsweise nachgiebig. Denn die Beklagten hätten in noch nie dagewesener Weise versucht das Gericht in die Irre zu führen, wird Radkoff zitiert. Der Richter unterstrich noch einmal seine Entscheidung, die Uzans hätten ihre Telsim-Aktien an das Gericht zu übereignen. Sollten sie nicht Folge leisten, müssten sie eine Strafe in Höhe von 1,6 Milliarden US-Dollar zahlen.
Ob die Uzans sich willfährig zeigen, steht in den Sternen. Die Schuldverschreibung übersteige ihre Verhältnisse, heißt es in dem Bericht des Wall Street Journal. Bereits beim Gerichtstermin in der vorvergangenen Woche gaben sie zu Protokoll, dass ihre finanzielle Situation sehr schlecht sei. Ein kleines Licht am Ende des Tunnels ist aber dennoch zu sehen: In der vergangenen Woche hatte das Schweizerische Bundesgericht Beschwerden der türkischen Familie gegen vorsorgliche Kontensperrungen abgewiesen. Auf diesen Konten sollen sich immerhin geschätzte 800 Millionen US-Dollar befinden. (ola)