IFA

Vom Weißwurstäquator zur DVB-T-Grenze

Auch die Landesmedienanstalten in Norddeutschland und Nordrhein-Westfalen wollen im nächsten Jahr auf den digitalen Antennenfunk DVB-T umstellen.

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Der Erfolg des DVB-T-Projekts im Ballungsraum Berlin wirkt ansteckend auf weitere Landesmedienanstalten. Vorreiter der Nachahmer finden sich vor allem in Norddeutschland und in Nordrhein-Westfalen. Die Niedersächsische Medienanstalt für privaten Rundfunk (NLM) etwa hat noch bis zum kommenden Jahr ein Versuchsprojekt für das ÜberallFernsehen zwischen Hannover und Braunschweig laufen, das ausgebaut werden soll. "Wir haben zwar keine Werbung für den rein technischen Probelauf betrieben", erklärte NLM-Direktor Reinhold Albert im Vorfeld der IFA auf dem Medienforum Berlin Brandenburg. "Trotzdem hatten wir bisher dort schon mehr DVB-T-Empfänger als in ganz Norddeutschland DAB-Empfänger", sagte der Medienhüter mit einem Seitenhieb auf den Misserfolg des digitalen Radios.

Nach der Klärung einiger noch verbliebener rechtlichen Fragen wie der Zusammenlegung von Regionalprogrammen will Albert im November mit der Vermarktung von DVB-T beginnen und zusammen mit seinen norddeutschen Kollegen die wichtigsten Inseln für die Ballungsgebiete Hannover/Braunschweig, Hamburg/Lübeck sowie vermutlich auch Kiel aufbauen. Rechtzeitig vor der Fußball-Europameisterschaft sollen dann von Mai an 24 Programme in den ersten Empfangsräumen auf Sendung sein. So sanft wie in Berlin werde die Umstellung in Niedersachsen aber wohl nicht gehen, fürchtet Albert. Er sieht ein "großes Ärgernispotenzial", da es aus Kostengründen nicht machbar sei, alle heute über Antenne versorgten Gebiete auch künftig mit digitalen terrestischen Signalen abzudecken. Aber die Alternative sei bei sieben bis zehn Prozent Antennenempfängern nur, diesen Übertragungsweg sonst ganz einzustellen.

Etwa zum selben Zeitpunkt werden auch in der Region Köln-Bonn sowie in Düsseldorf und dem Ruhrgebiet die Schalter an den Sendemasten auf digital umgestellt, wenn alles nach Plan läuft. "Die entsprechenden Startszenarien stehen", bekundete Wolfgang Hahn-Cremer, Chef der Landesanstalt für Medien NRW (LfM) in Berlin. Da das Ruhrgebiet allein aber fünf Sendeanlagen brauche, hofft der LfM-Direktor auf einen Verbund mit seinen norddeutschen Nachbarn, um die Kosten für die Programmanbieter zu drücken. Funktioniert die Schönrechnung, soll auch in Nordrhein-Westfalen, wo momentan dem WDR nach noch sechs Prozent der Zuschauer an der Antenne hängen, die analoge terrestrische TV-Übertragung Ende 2004 Geschichte sein. Wenig hört man dagegen aktuell in Sachen digitalen TV-Funks aus den Südländern, sodass sich dann eventuell statt des Weißwurstäquators zunächst eine DVB-T-Grenze durchs Land ziehen wird.

Zum Medienforum Berlin Brandenburg siehe auch:

(Stefan Krempl) / (vza)