UMTS-Start in Deutschland nicht in Sicht
Mobilfunkbetreiber und Geräte-Hersteller streiten über die Ursache für den immer weiter hinausgeschobenen Start der dritten Mobilfunkgeneration.
Der Start des Milliarden teuren Mobilfunkstandards der dritten Generation in Deutschland rückt immer weiter in die Ferne. Nachdem bereits Vodafone, E-Plus und O2 ihre UMTS-Projekte ins Jahr 2004 verschoben hatten, sagte nun auch Marktführer T-Mobile seinen ursprünglich für den Herbst 2003 geplanten UMTS-Start ab. "Wir können keine Prognose für einen konkreten Starttermin abgeben", unterstützte T-Mobile-Sprecher Philipp Schindera am Dienstag Äußerungen des T-Mobile-Chefs Rene Obermann auf der IFA.
Die Mobilfunktochter der Deutschen Telekom will den Betrieb erst starten, wenn ein breites Angebot an Diensten und auch die entsprechenden Handys zur Verfügung stünden. "Wir starten erst, wenn die Leistungsmerkmale von heute auch in der dritten Generation zur Verfügung stehen", sagte Obermann dem Tagesspiegel. Das sei bisher nicht der Fall. Zuvor hatten bereits Vodafone und E-Plus vor allem die Geräteindustrie für die Verspätung des neuen Mobilfunksystems verantwortlich gemacht. Der Chef von Vodafone Deutschland, Jürgen von Kuczkowski, sagte, sein Unternehmen werde erst starten, sobald die Geräte da seien. Wann das der Fall sei, sei schwer zu sagen. "In dieser Beziehung sind wir abhängig von den Produzenten."
Der führende Handy-Hersteller Nokia will sich den Schwarzen Peter für den verzögerten UMTS-Start aber nicht in die Schuhe schieben lassen. Schließlich sei mit dem Handy Nokia 6650 ein UMTS-Gerät auf dem Markt, das auch in neutralen Testberichten als "praxistauglich" bewertet worden sei. "Wir können unser UMTS-Handy 6650 auch in großen Stückzahlen liefern", sagte eine Nokia-Sprecherin. Damit wies sie Berichte zurück, die UMTS-Verzögerung bei T-Mobile sei auch darauf zurückzuführen, dass Nokia nicht 10.000 UMTS-Handys oder mehr liefern könne. Für einen erfolgreichen Start eines neuen Mobilfunkstandards sei jedoch das Gesamtpaket von Endgeräten, Netzabdeckung und neuen Mobilfunkdiensten maßgeblich.
Nächste Etappe auf dem endlos erscheinenden Weg in die UMTS-Welt soll nun die CeBIT im Frühjahr 2004 sein. Bei der Messe in Hannover werden Netzbetreiber mit UMTS-Lizenz und Handy-Hersteller nach Ansicht von Experten ihre Karten auf den Tisch legen müssen. T-Mobile will sich jedoch keinesgalls festlegen lassen. (Christoph Dernbach, dpa) / (jk)