Ausbau des Straßennetzes hilft wenig gegen Stau
Eine kanadische Studie kommt zu einem provokanten Ergebnis: Mit dem Ausbau des Straßennetzes wächst der Verkehr proportional – besser wäre ein Mautsystem, das die Lust am Fahren eindämmt
- Gernot Goppelt
Hannover, 5. Oktober 2009 – Der Ausbau des Straßennetzes bringt keine Verkehrsentlastung. Das ist die provokante These einer Untersuchung der kanadischen Universität Toronto. Ein Anti-Stau-Programm durch zusätzliche Straßen, wie es der ADAC oder einige Politiker fordern, würde demnach wenig bringen. In ihrer Studie untersuchten die Forscher Gilles Duranton und Matthew A. Turner regional aufgeschlüsseltes Zahlenmaterial zu Investitionen im Straßenbau und der Entwicklung des Verkehrsaufkommens zwischen 1983 und 2003. Sie analysierten, wie sich das Straßennetz in den verschiedenen Regionen entwickelt und wie sich das Verkehrsaufkommen veränderte.
Mehr Straßen – mehr Verkehr
Das verblüffende Ergebnis: Wenn das Straßennetz in einer Region um 1 Prozent ausgebaut wurde, nahm in weniger als zehn Jahren dort auch der Verkehr um 1 Prozent zu. Und die Autoren gehen noch weiter: "Wir stellen fest, dass die gefahren Strecken in Kilometer auf Schnellstraßen proportional mit neu gebauten Straßen mitwächst." Für die Zunahme seien im Wesentlichen drei Faktoren verantwortlich: Eine zunehmende Straßennutzung der örtlichen Bewohner, eine Zunahme transportintensiver Produktionstätigkeit und der Zuzug neuer Bewohner. Dagegen würde eine bessere Versorgung mit öffentlichen Verkehrsmitteln die Verkehrsbelastung nicht verbessern. Oder kürzer formuliert: Wenn mehr Straßen zur Verfügung stehen, werden sie auch genutzt.
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