Die Open-Erschreck-Maus

Es gibt das Klischee, dass freie Software komplexer als Kommerzware z.B. von Apple ist. Nachdem Ubuntu-Linux die User mĂĽhsam vom Gegenteil ĂĽberzeugte, wirft ein Vorhaben einer der OpenOffice-Community nahestehenden Firma die BemĂĽhungen nun ĂĽbel zurĂĽck.

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Es gibt das Klischee, dass freie Software komplexer als Kommerzware z.B. von Apple ist. Nachdem Ubuntu-Linux die User mĂĽhsam vom Gegenteil ĂĽberzeugte, wirft ein Vorhaben einer der OpenOffice-Community nahestehenden Firma die BemĂĽhungen nun ĂĽbel zurĂĽck.

Das Gerät war derart erstaunlich, dass die Macher auf allen ihnen zur Verfügung stehenden Internet-Kommunikationskanälen gleich mehrfach darauf hinweisen musste, dass es sich nicht um einen Aprilscherz mitten im November handelte: Eine der OpenOffice-Community nahestehende Firma hat eine neue Maus speziell für das Open-Source-Büropaket vorgestellt, die mit schlappen 18 programmierbaren Tasten, einem klickbaren Scrollrad und einem integrierten Joystick (!) ausgestattet ist.

Das knapp 75 Dollar teure Gerät verfügt, so die Macher stolz, außerdem über einen eingebauten Speicher, in dem man dank einem halben Megabyte Flash-RAM "bis zu 63 Profile zur gleichen Zeit" ablegen könne. Sogar die Auflösung des Nagers lasse sich zwischen 400 und 1600 "Characters per Inch" einstellen. Wem das noch nicht ausreicht, der kann den links angehafteten und an Konsolen erinnernden Mini-Joystick auch noch mit "bis zu 16 Tastaturbefehlen oder Makros" belegen.

Die OpenOfficeMouse ist damit so eine Art Antichrist zu Apples komplett knopfloser da Multi-Touch-fähiger Magic Mouse. Während das Apple-Gerät Eleganz bei gleichzeitiger Funktionsvielfalt schreit, schreit das OpenOffice-Gerät Hässlichkeit bei gleichzeitiger Funktionsunbeherrschbarkeit.

Ich wette, dass diese Erfindung neben der noch immer allein für Webnerds komplett problemlos zu bedienenden Wikipedia, dem Kompilieren von Linux-Kernel-Erweiterungen und dem Selbstlöten von RS232C-Schnittstellen ihren Weg in so manche Powerpoint-Präsentation zum Thema "Open Source ist unbenutzbar" finden wird, die kommerzielle Software-Hersteller auf Konferenzen auffahren.

Dabei hatte sich das Image freier Software in den letzten Jahren doch stark verbessert in Richtung Usability verbessert. So zeigte das Ubuntu-Projekt, wie einfach es sein kann, Windows durch ein gut funktionierendes Linux zu ersetzen. Und auch OpenOffice an sich demonstrierte an vielerlei Stellen, dass ordentliche Benutzbarkeit auch im Feature Creep-Segment der Büropakete, bislang beherrscht von Microsofts unbeherrschbarem Office, möglich sein kann.

Und nun das, eine Maus mit 18 Tasten? Ich liebe Euch, Ihr OpenOffice-Jünger, und ich profitiere tagtäglich von Eurer Kreativität, die Ihr uns allen zuteil werden lasst. Aber manchmal, ja manchmal, da braucht Ihr einen PR-Berater. Oder zumindest einen Usability-Experten. Schaut doch mal beim Firefox-Projekt vorbei, da geht das ja auch.

Update: Puh, nochmal GlĂĽck gehabt - nun distanziert sich sogar das OpenOffice-Projekt selbst von der Open-Erschreck-Maus. (bsc)