Schon mal was vom "OEM-Software-Lizenzierungsmodell" gehört?

Kennen Sie den weltweit größten OEM-Distributor für IBM-Software? Wie bitte, sie wissen nicht einmal, was ein OEM-Distributor im Softwarebereich tut? Macht nichts, dafür sind wir ja da...

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Lesezeit: 5 Min.
Von
  • Damian Sicking

Lieber Jens Orhanovic, Geschäftsführer des "weltweit größten OEM-Distributors für IBM-Software" Listec GmbH in Ludwigsburg,

um geistig fit zu bleiben, lernen Menschen Gedichte auswendig, lösen Kreuzwort- und Sudokurätsel oder beschäftigen sich mit anderen komplizierten Denksportaufgaben, immer öfter auch mit elektronischer Unterstützung ("Dr. Kawashimas Gehirn-Jogging" auf Nintendo DS). All das tue ich nicht. Ich lese statt dessen Ihre Pressemitteilungen und versuche sie zu verstehen. Das ist eine echte intellektuelle Herausforderung, jedenfalls für mich. Vermutlich ist alles ganz einfach, sobald man den richtigen Blick darauf gefunden hat. So wie bei diesen Bildern, auf denen man ewig nichts erkennt und dann, ganz plötzlich, erkennt man doch eine Figur oder ein Gesicht und fragt sich, wieso man vorher so lange nichts erkennen konnte. Wenn man dann später, nachdem man sich mit anderen Dingen beschäftigt hat, das gleiche Bild noch einmal betrachtet, erkennt man aber wiederum nichts und zweifelt an seinen Augen oder seinem Verstand oder erklärt das ganze für Blödsinn.

Dass ich Ihre Pressemitteilungen nicht so hundertprozentig verstehe, ist für mich natürlich kein Grund, nicht darüber zu schreiben. Schließlich bin ich Journalist, und Journalisten sind bekanntlich Menschen, die anderen Menschen Dinge zu erklären versuchen, die sie selbst nicht so ganz verstanden haben. Also ich versuch´s mal: Seit Monaten ziehen Sie, lieber Herr Orhanovic – bildlich gesprochen – wie ein Wanderprediger durch die Lande, um Ihre Idee eines OEM-Lizenzierungsmodells zu propagieren. Allein in diesem Jahr habe ich dazu von Ihnen folgende Presseinformationen erhalten:

  • 07.05.2009: "IT-Vertrieb: Die Zeit für den Wechsel zum OEM-Modell ist reif."
  • 25.06.2009: "Die Last mit der Software-Lizenzierung. Ludwigsburger Listec GmbH schlägt zur Lösung neues Modell vor, von dem Lösungsanbieter und Anwender gleichermaßen profitieren."
  • 13.10.2009: "OEM-Lizenzmodell schafft Alleinstellungsmerkmal für IT-Lösungsanbieter."
  • 10.11.2009: "Listec: OEM-Lizenzierungsmodell in Deutschland auf dem Vormarsch."

Ich geb´s ganz offen zu: Obwohl ich alle Texte gelesen habe, manche Passagen sogar mehrmals, so richtig kapiert habe ich die Geschichte noch immer nicht. Muss ich ja vielleicht auch nicht. Was ich verstanden habe, ist, dass damit ein Nutzen verbunden sein soll, und zwar sowohl für Ihre Kunden, also die IT-Dienstleister, als auch für deren Kunden, also die gewerblichen Anwender. Und natürlich für Sie und IBM, das ist ja klar. Der wesentliche Vorteil aus Endkundensicht scheint mir in diesem OEM-Modell darin zu bestehen, dass er für das komplette Paket aus Hard- und Software nur einen Vertragspartner hat: den IT-Dienstleister. Im Falle von IBM-Software ist also nicht IBM sein Vertragspartner, sondern sein jeweiliger IT-Dienstleister. Dieser haftet auch gegenüber dem Software-Hersteller etwa im Falle einer nachgewiesenen Unterlizenzierung des Endkunden. Das kann man zweifelsohne als Vorteil und Nutzen für den Anwender sehen.

Aber wo steckt der Nutzen und Vorteil des OEM-Modells für den Dienstleister? Ich habe extra noch mal bei Ihnen nachgesehen und lediglich Folgendes gefunden: "Der IT-Infrastrukturanbieter hat den Vorteil einer stärkeren Kundenbindung, wobei die Herstellerlizenzen an den Mehrwert gekoppelt sind, den er seinen Kunden bietet. `Mit einer flexiblen Gestaltung der Wartungsverträge sichert er sich Folgegeschäfte und ist außerdem hinsichtlich des weltweiten Verkaufs seiner Lösung inklusive Herstellerlizenzen keinerlei Beschränkungen unterworfen´, ergänzt Jens Orhanovic." Hm, ist das jetzt aus Sicht der IT-Dienstleister ein echter Mehrwert? Ich geb´s zu: Ich kann das nicht beurteilen. Andere, die wirklich etwas von der Thematik verstehen, aber schon. Und die scheinen das gut zu finden. Vielleicht nicht alle, aber es gibt welche. So teilten Sie gestern stolz mit, dass "einer der führenden IT-Infrastrukturanbieter am Markt" mit Ihnen einen OEM-Vertrag über einen Lizenzumsatz "von mehreren Millionen Euro" vereinbart hat. Klingt gut.

Lieber Herr Orhanovic, Ihr Unternehmen, die Listec GmbH , war bis vor gut einem Jahr selbst ein IBM-Reseller und IT-Dienstleister und hat es dann in nur einem halben Jahr geschafft, "zum weltweit größten OEM-Distributor für IBM-Software" zu werden. Ich frag jetzt mal nicht, wie viele direkte Wettbewerber es gibt und wie groß diese sind (obwohl mich die Antwort darauf durchaus interessieren würde). Sie selbst bezeichnen sich als "Wegweiser durch den IBM-Dschungel". Wegweiser durch den IBM-Dschungel! Das, lieber Herr Orhanovic, ist für viele IT-Dienstleister in jedem Fall ein Mehrwert.

Beste Grüße!

Damian Sicking

Und hier geht es zur Antwort von Jens Orhanovic

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