Ein Windrad fĂĽr eine Fabrik

Die direkte autarke Versorgung mit erneuerbarer Energie wird inzwischen auch für einzelne Firmen attraktiv. Das Beispiel eines US-Mittelständlers zeigt, wie das gehen kann.

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Die direkte autarke Versorgung mit erneuerbarer Energie wird inzwischen auch für einzelne Firmen attraktiv. Das Beispiel eines US-Mittelständlers zeigt, wie das gehen kann.

Larry O'Connor, Boss des besonders im Apple-Markt aktiven IT-Zubehörherstellers Other World Computing aus dem amerikanischen Bundesstaat Illinois, hat ein ganz besonderes neues Spielzeug: Eine Windturbine des dänischen Herstellers Vestas vom Typ V39 mit drei Rotorblättern und insgesamt 500 Kilowatt Leistung.

Die 60 Meter hohe Mühle, deren Räder sich Winden von über 200 Stundenkilometern stellen können ist jedoch nicht zum Vergnügen direkt hinter dem Firmenparkplatz aufgebaut worden: Das Gerät soll künftig 1,25 Millionen Kilowattstunden Strom im Jahr produzieren und damit die gesamte Produktion, Verwaltung, das Marketing und ein kleineres Rechenzentrum des Mittelständlers autark mit Energie versorgen. Das ist das doppelte der eigentlich benötigten Energiemenge. Die Firma ist damit laut eigenen Angaben der erste amerikanische Technologiehersteller mit angeschlossenem Vertrieb und Internet-Provider, der zu 100 Prozent vor Ort mit Windkraft versorgt wird.

Ganz billig war der SpaĂź nicht: 1,25 Millionen Dollar kostete die Turbine, die zu 100 Prozent selbst finanziert wurde, um Kreditkosten zu sparen, hinzu kam die Anschluss-Infrastruktur. Trotzdem soll sich die Summe, berechnet nach heutigen Energiepreisen, bereits in 10 bis 14 Jahren amortisiert haben. Sollten die Stromkosten weiter steigen, womit gerechnet werden kann, soll es noch deutlich schneller gehen. In der Region um Chicago zog die Kilowattstunde in den letzten zehn Jahren um 25 Prozent an.

Damit die Vestas-Turbine adäquat arbeitet, reichen die durchschnittlichen Windgeschwindigkeiten auf dem Other World Computing-Gelände problemlos aus: Sie liegen zwischen 15 und 25 km/h, aber auch bei unter 15 dreht sich die Turbine noch stromerzeugend. Die von der Firma selbst nicht benötigte Energie wird direkt in das örtliche Stromnetz zurückgespeist, was zusätzliche Einnahmen bringt. Ganz vom lokalen Versorger ist man auch in Gegenrichtung nicht getrennt: Der dient als Back-up, sollte der Wind einmal tatsächlich nicht genügend schnell blasen. Fallen auch die Stadtwerke aus, übernehmen zwei Notstromaggregate.

Der Strom, den die einzelne MĂĽhle im Mittel erzeugen kann, ist durchaus beeindruckend: Laut US-Energieministerium wĂĽrde er ausreichen, um ein typisches Vorortwohngebiet komplett zu versorgen. Da sich die Rotoren der V39 um 360 Grad drehen lassen, zeigen sie stets optimal in den Wind.

Der Aufbau der Turbine wurde gleich bei der Planung des neuen Standortes von Other World Computing mitgeplant. Da die Gebäude, in denen die Firma nun ihr Hauptquartier hat, ebenfalls nach "grünen" Gesichtspunkten entworfen wurden, unter anderem mit Geothermie und guter Isolierung, dürfte das den Strombedarf noch weiter senken. (Fossile Energieträger werden überhaupt nicht benötigt.) Je weniger der Mittelständler selbst verbraucht, desto mehr kann er gewinnbringend an den örtlichen Stromversorger verkaufen, was die Amortisierung weiter beschleunigen soll. Damit das funktioniert, geht der Strom von der Turbine zunächst an ein Messgerät. Dort zweigt Other World Computing seinen Saft ab und speist den Rest dann ins Gemeindenetz ein.

O'Connor sieht in dem Windkraft-Projekt nicht nur langfristige Kostenersparnisse für sein Unternehmen, sondern gibt sich auch Öko-bewegt: Die Firma wolle die sie umgebende Natur schützen. Gleichzeitig wolle man aber auch Vorbild für andere Unternehmen sein. Das könnte in der Tat gelingen, wenn das jeweilige Projekt so viel Unterstützung bekommt, wie das bei Other World Computing der Fall war: Neben lokalen Behörden und Stromversorgern waren auch die Regierung des Staates Illinois und die US-Bundesregierung beteiligt.

Auch als Werbeinstrument kann ein solches Vorhaben dienen: Die Firma mit ihren unter 500 Angestellten tauchte kürzlich wegen ihrer Bemühungen auf Platz 9 der "Top Green IT Users and Vendors"-Liste des Fachblattes "Computerworld" auf – direkt hinter Branchengrößen wie Microsoft oder Hewlett-Packard und noch vor Großkonzernen wie dem Telekommunikationsunternehmen Verizon und dem Serverhersteller Sun. (bsc)