Roboter als "Freund und Helfer"
Humanoide Roboter sollen in der Zukunft bald so verbreitet sein wie heutzutage PCs, heiĂźt es auf der Tagung "Humanoids 2003".
Bereits in zehn Jahren könnte in der Küche ein Haushaltsroboter einfache Dienste verrichten. Das ist jedenfalls die Zeitplanung des DFG-Sonderforschungsbereiches Lernende und kooperierende multimodale Roboter, den Professor Rüdiger Dillmann von der Universität Karlsruhe auf der Fachtagung Humanoids 2003 vorgestellt hat. Zuvor hatte bereits Hirochika Inoue von der Universität Tokyo enthusiastisch verkündet, die typische Familie der Zukunft werde nicht mehr aus Mann, Frau und Kind, sondern aus Mann, Frau, Kind und Roboter bestehen. Die Humanoiden sollen einfache Aufgaben im Haushalt übernehmen, aber auch in der Altenpflege eingesetzt werden. Bisher, so Inoue, wären humanoide Roboter vergleichbar mit den Supercomputern von früher gewesen -- sehr selten und sehr teuer. Mittlerweile würden aber immer mehr Universitäten ihre Studenten einfache, kleine humanoide Systeme konstruieren lassen. In der Zukunft wären solche Roboter bald so verbreitet wie heutzutage PCs.
Noch bis Freitag diskutieren rund 150 internationale Experten den Stand der Forschung und die Perspektiven humanoider -- menschenähnlicher -- Roboter auf der dritten internationalen Tagung zu humanoiden Robotersystemen. Ein wenig beneidet werden dabei vor allem die Gäste aus Japan, denn die japanische Regierung und die Industrie haben -- für hiesige Verhältnisse -- hohe Summen in die Entwicklung solcher Systeme gesteckt. So hat das "Humanoids Research Program" in den vergangenen fünf Jahren rund 50 Millionen US-Dollar verschlungen -- der Honda-Konzern hat in die Entwicklung seiner humanoiden Laufmaschinen seit 1986 sogar rund 100 Millionen US-Dollar investiert.
Nicht zuletzt auf Grund kultureller Unterschiede würden diese Roboter hierzulande oft als Spielzeug belächelt, meint Professor Alois Knoll aus München, der zusammen mit Dillmann die Tagung leitet. Es sei zwar "nicht zu erwarten", dass diese Maschinen "in dieser Form" wirklich ein herausragender wirtschaftlicher Erfolg seien. Sie könnten sich aber zu Einstiegsprodukten entwickeln, von denen aus völlig neue Anwendungsfelder entwickelt würden. In jedem Fall sei es jedoch "bedauerlicherweise recht sicher", dass diese Märkte nicht aus Europa heraus dominiert würden".
Bis dahin müssen allerdings noch viele technische Probleme gelöst werden. Die Mehrzahl der hier vorgestellten Aufsätze befasst sich noch mit "Basistechnologien", also der Konstruktion von Händen, Bilderfassungssystemen oder der Implementierung "multimodaler Schnittstellen". Professor Inoue sieht die Erweiterung des Bewegungsspektrums der Humanoiden als vordringliche wissenschaftliche Aufgabe: Die Roboter sollen lernen zu joggen, aufzustehen, wenn sie gefallen sind, oder zu klettern. Die noch komplizierteren kognitiven Probleme, wie etwa das Wiedererkennen bereits gesehener Objekte, oder das Nachahmen bestimmter Handlungsabläufe, um diese zu lernen, stehen erst mittlefristig auf der Tagesordnung. (wst) / (jk)