MySpace übernimmt Musikportal Imeem

In einem laut US-Berichten "Notverkauf" geht das Social-Music-Portal an die Murdoch-Tochter. Imeems Investoren wollten offenbar kein Geld mehr nachschießen, und ein neuer Prozess mit der Musikindustrie versprach teuren Ärger.

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Rupert Murdochs MySpace übernimmt laut übereinstimmenden US-Medienberichten das angeschlagene Musikportal Imeem. Keines der beiden Unternehmen hat das bisher offiziell bestätigt. Den Berichten zufolge zahlt MySpace rund 1 Million US-Dollar in bar und übernimmt Verbindlichkeiten aus Krediten und Mitarbeiterprogrammen. Insgesamt soll die Übernahme einen Wert von rund 8 Millionen US-Dollar (5,4 Millionen Euro) haben. Nur die Hälfte der etwa 55 Mitarbeiter sollen von MySpace übernommen werden. In US-Medien wird die Transaktion als Notverkauf bezeichnet.

Imeem soll in den vergangenen Monaten finanziell unter Druck geraten sein. Das auf Werbeerlöse basierende Geschäftsmodell schien in der Krise nicht tragfähig, die Erlöse blieben zuletzt hinter den Erwartungen zurück. Investoren, die insgesamt mindesten 25 Millionen US-Dollar in Imeem gepumpt hatten, wollten kein frisches Geld nachschießen, ein Investor stieg ganz aus. Schon im Frühjahr hatte Partner Warner Music einen Millionenbetrag auf Imeem abgeschrieben. Ohnehin war das Verhältnis zur Musikindustrie trotz Verträgen mit den vier Major-Labels nicht ungetrübt. Der Independent-Vertrieb The Orchard hatte im Oktober eine Schadensersatzklage gegen das Startup eingereicht, hier drohte ein kostspieliger Rechtsstreit.

Für MySpace offenbar eine günstige Gelegenheit, einschlägig erfahrene Mitarbeiter und Know-how einzukaufen. Zudem hatte Imeem im April 2008 den Napster-Nachfolger Snocap übernommen. Der Dienstleister bietet Systeme für den Online-Vertrieb und die Lizenzierung von Musik im Internet an. MySpace nutzt die Snocap-Technik für das eigene, noch nicht richtig durchgestartete Musikangebot und bietet Musikern damit eine Möglichkeit, ihre Songs selbst auf der Plattform zu vermarkten. (vbr)