Lernen im Schlaf

Wissenschaftler der Northwestern University in Evanston haben in einem Versuch nachgewiesen, dass menschliche Erinnerungen im Schlaf durch akustische Signale gefestigt werden können.

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Es ließe sich so viel Zeit sparen, könnte man anspruchsvollen Lernstoff oder massenweise Vokabeln bei einem Nickerchen verinnerlichen. Dem Traum vom gezielten Lernen im Schlaf sind nun Wissenschaftler der Northwestern University in Evanston (Illinois, USA) ein Stück näher gekommen. Sie haben in einem Versuch nachgewiesen, dass menschliche Erinnerungen im Schlaf durch akustische Signale gefestigt werden können.

Ken A. Paller und Kollegen schildern die technischen Einzelheiten in einem Aufsatz, der in der aktuellen Nummer des Wissenschaftsmagazins Science veröffentlicht wurde: Zwölf Versuchspersonen wurden zu Beginn des Tests auf einem Monitor 50 verschiedene Bilder gezeigt, die an unterschiedlichen Stellen des Bildschirms platziert waren. Zu jedem Symbol wurde ein passender Laut abgespielt – zum Beispiel das Anlassen eines Motors zu dem Foto eines Autos. Nach mehreren Runden, in denen die Teilnehmer erst nur zusehen und später die Bilder selber an der richtigen Stelle positionieren mussten, sollten die Testpersonen schlafen. Währenddessen wurden ihnen 25 der zuvor in der Übung gehörten Geräusche leise und ohne ihr Wissen vorgespielt. Nachdem die Teilnehmer wieder erwacht waren, wurde der Zuordnungstest wiederholt. Nach dem Mittagsschlaf zum Wohle der Wissenschaft konnten die Teilnehmer diejenigen Bilder deutlich genauer platzieren, deren Geräusche sie unbewusst im Schlaf gehört hatten. Gegenüber einer Kontrollgruppe, die zwischenzeitlich nicht geschlafen hatte, schnitten sie insgesamt besser ab.

Der Versuch der US-Forscher bringt gleich zwei wichtige Erkenntnisse. Er zeigt zum einen, dass es möglich ist, durch akustische Signale gezielt Erinnerungen im Schlaf zu festigen. "Ziel des Experimentes war die Untersuchung der Konsolidierung von Erinnerungen", so Paller. "Es war nicht auf eine praktische Anwendung ausgelegt." Wenn sich die Ergebnisse in weiteren Untersuchungen bestätigen, sei es jedoch durchaus denkbar, meinen die Wissenschaftler, dass man sich speziell ausgewählte Lerninhalte während der Nachtruhe aneignen kann. Eventuell findet dann der Feinschliff für den Vokabeltest nicht mehr am Morgen vor dem Klassenraum statt, sondern des nachts im heimischen Bett.

Die Neurowissenschaftler aus Evanston sehen zum anderen einen neuen Trend in der Gedächtnisforschung. Ihrer Meinung nach wird mit diesem Ergebnis die Aufmerksamkeit für weitere Forschungen auch auf die Tiefschlafphasen gelenkt – die Geräusche waren den Teilnehmern während eben dieser Schlafphase vorgespielt worden. Es war bereits zuvor bekannt, dass sich Gelerntes im Schlaf besser im Gedächtnis verankern lässt, jedoch hatten sich bisherige Untersuchungen vor allem auf die sogenannten REM-Phasen konzentriert, für die besonders schnelle Augenbewegungen charakteristisch sind. (wst)