Durchschimmernder Kunststoff

Bislang kennt man Wasserzeichen eigentlich nur aus papierbasierten Trägermedien. Der Fälschungsschutz soll nun auch in Plastikkärtchen aus Polycarbonat eingebaut werden.

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Seit vielen Jahren gilt es als das Merkmal zur Erreichung von Fälschungssicherheit bei Dokumenten: Das Wasserzeichen, das beim Produktionsprozess von Papier tief ins Innere der Zelluloseschichten direkt beim Schöpfungsprozess eingebunden wird. Kein papierbasiertes Medium, weder Geld, noch Urkunde, noch Ausweisseiten, noch Briefmarke, kommt ohne die in mehreren Abstufungen erhältliche Technik aus. Das Problem: Der Trend bei Pässen und anderen Zugangsschutzsystemen geht schon lange in Richtung Kunststoffträgermedium, sprich: Plastikkarte. Die, so sagen ihre Freunde aus der Industrie, ist wesentlich haltbarer, bietet eine einfachere Maschinenlesbarkeit und ermöglicht sehr kompakte Ausweise im sprichwörtlichen Kreditkartenformat, die man wirklich ständig dabei haben kann.

Bei Bayer Material Science in Leverkusen, dem materialwissenschaftlichen Teil des Chemiekonzerns mit mittlerweile 15.000 Mitarbeitern, will man das gute, alte Wasserzeichen nun auch in die Plastikwelt holen, um im Wettlauf um die Fälschungssicherheit für ein paar zusätzliche Jahre bestehen zu können. Dazu wurde ein auf Polycarbonat basierendes Foliensystem entwickelt, das aus mehreren Schichten besteht, die sich jeweils frei bearbeiten lassen. Ergebnis ist eine stabile Karte, die ein durchschimmerndes Wasserzeichen ausweist. Das dann folgende Laminieren wird ohne Klebstoff mit einem thermischen Verfahren hergestellt, erklärt Bayer-Kunststoff-Forscher Georgios Tziovaras. Die Folientechnik lasse sich ohne große Zusatzkosten in bestehende Produktionsabläufe für Identifikationsdokumente integrieren.

Die mögliche Auflösung entspricht der von herkömmlichen Druckverfahren, bis 1200 dpi skaliert die Technik. Ob der Druck in Farbe oder Schwarzweiß erfolgt, musst der Kunde entscheiden. Bayer zufolge unterscheidet sich das endgültige Bild eines solchen Ausweises optisch kaum von Wasserzeichen auf Papier. "Dank der hohen Qualität des Druckes und des Kartenaufbaus aus unseren Folien sind im Gegenlicht alle Details des Wasserzeichens kontrastreich bei scharfen Konturen zu erkennen", so Tziovaras. Jeder einzelne Ausweis könne so mit den Daten des Besitzers ganz genau individualisiert werden. Das erschwere Fälschern den Job, hoffen die Erfinder. Je tiefer solche wichtigen Details im Ausweis steckten, desto besser. Fälschern fällt es dadurch zunehmend schwer, das Dokument in seiner Gesamtheit nachzuahmen.

Erste Kunden für seine "Makrofol ID" getaufte Folientechnik hat Bayer Material Science bereits gefunden. Im neuen Reisepass der Republik Südafrika, der die Sicherheitslage zur im nächsten Jahr stattfindenden Fußball-Weltmeisterschaft in dem in den letzten Jahren von Kriminalität arg geplagten Land am Kap verbessern soll, wird das Wasserzeichen seit kurzem durch den Schweizer Partner Trüb AG, einem Spezialisten für Bank-, Zutritts- und Kundenkarten, eingebaut. Möglich ist dadurch beispielsweise, ein gut sichtbares Bild des Ausweisbesitzers in die Plastikkarte zu integrieren. Außerdem sind so genannte Kippbilder oder Kinegramme, weitere Merkmale zum Fälschungsschutz, direkt ins Innere zu verlagern. Auch das soll für mehr Sicherheit sorgen.

Die einzelnen Elemente werden per Lasergravur auf die Folie übertragen. Das Endprodukt ist eine Passseite, die wie ein einzelnes Polycarbonatstück wirkt – ein sehr fester Schweißprozess erlaubt das. Der hat außerdem den Vorteil, dass eine nachträgliche Manipulation nicht mehr möglich ist: Fast fest in der Karte steht, bleibt dort auch. Ein Fälscher käme laut Trüb AG gar nicht erst an die zu verändernden Schichten, müsste sein Werk schon aufmalen, was leicht selbst von Laien zu erkennen wäre. Außerdem ist das Polycarbonat sehr stark: Bayer Material Science glaubt, dass ein solcher Ausweis sich nicht einmal bei über 130 Grad verbiegen würde. Das hat den Vorteil, dass auch integrierte Elektronikkomponenten wie RFID-Chips samt Antennen stets im Ausweismaterial verbleiben und nicht entnommen werden können. Auch Kälte soll Makrofol ID nichts anhaben können, meint man bei Bayer. (bsc)