Wirtschaftskrise und Nokia Siemens Networks belasten Siemens [Update]

Operativ schlug sich der deutsche Elektrokonzern besser als erwartet, rutschte aber vor allem durch das Gemeinschaftsunternehmen Nokia Siemens Networks im vierten Quartal in die roten Zahlen.

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Von
  • Jürgen Kuri

Vor allem das zusammen mit Nokia betriebene Gemeinschaftsunternehmen für Netzwerktechnik, Nokia Siemens Networks, hinterlässt tiefe Spuren in der Siemens-Bilanz, aber auch die Wirtschaftskrise macht dem Elektrokonzern weiter zu schaffen. Und Siemens erwartet nach einem Milliardenverlust im vierten Geschäftsquartal weitere Einbußen durch die Wirtschaftskrise. "Insgesamt bleibt das Marktumfeld 2010 herausfordernd", erklärte Siemens-Chef Peter Löscher.

Das Ergebnis der Sektoren dürfte im neuen Geschäftsjahr 2009/10 (30. September) von zuletzt knapp 7,5 Milliarden auf 6,0 bis 6,5 Milliarden Euro zurückgehen. "Um die Geschäfte nachhaltig zu sichern, die von der Krise besonders betroffen sind, führen wir notwendige Maßnahmen konsequent fort", erklärte Löscher. Im vierten Quartal fuhr das Unternehmen wegen der Belastungen durch das Gemeinschaftsunternehmen Nokia Siemens Networks einen Milliardenverlust ein. Operativ schlug sich Siemens aber besser als erwartet: "Die Wachstums- und Ergebnisziele wurden erfüllt und teilweise deutlich übertroffen", meinte Siemens selbst.

Zuletzt waren wegen der Konjunkturflaute die Sorgen der Beschäftigten vor weiteren Einschnitten gewachsen. Siemens hatte aber erklärt, dass kein konzernweiter Stellenabbau geplant sei. Am Mittwoch erst hatten Beschäftigte aus München, Erlangen, Berlin und anderen Siemens-Standorten auf Protestveranstaltungen dem Konzern vorgeworfen, systematisch Stellen abzubauen und dies unter dem Schlagwort "Portfoliopolitik" zu verschleiern.

Das Ergebnis der drei Sektoren Industrie, Energie und Gesundheit kletterte im Schlussquartal auch dank Einsparungen im Jahresvergleich um 25 Prozent auf 1,923 Milliarden Euro. Der Auftragseingang gab dagegen um 16 Prozent auf 18,7 Milliarden Euro nach, und der Umsatz um 9 Prozent auf 19,714 Milliarden Euro. Unter dem Strich stand ein Nettoverlust nach Steuern von 1,063 Milliarden Euro. Im Vorjahresquartal hatte Siemens wegen Milliardenbelastungen aus dem Konzernumbau und aus dem Korruptionsskandal aber noch ein Minus von 2,4 Milliarden Euro verbucht.

Insgesamt lag der Umsatz im Siemens-Geschäftsjahr 2009 um 1 Prozent niedrieger als im Vorjahr: 76,651 Milliarden Euro nach 77,327 Milliarden Euro im Vorjahr. Der Nettogewinn nach Steuern betrug 2.497 Milliarden Euro – ein Minus von 58 Prozent, im Vorjahr konnte Siemens noch einen Nettogewinn von 5,886 Milliarden Euro erzielen.

[Update]:
Am stärksten von der Konjunkturflaute betroffen war auch zwischen Juli und September der Energiesektor als wichtigster Bereich des Konzerns. Hier seien Kapazitätsanpassungen und Kostensenkungen erheblich ausgeweitet worden, um wieder profitables Wachstum zu erreichen, erklärte das Unternehmen. Der Bestelleingang und Umsatz schrumpften um 20 beziehungsweise 13 Prozent. Besonders in der Industrieautomatisierung, der Antriebstechnik und bei der Licht-Tochter Osram hatte Siemens die Krise zu spüren bekommen. Das Umfeld im Industriegeschäft dürfte auch weiter schwierig bleiben, hieß es. Aber auch im Energiesektor büßte Siemens im vierten Quartal zehn Prozent beim Auftragseingang ein, während der Umsatz stabil blieb. In der Medizintechnik konnte der Konzern bei einem zweiprozentigen Orderrückgang den Umsatz noch leicht steigern. (jk)