Hardware ist schwer

Das High-Tech-Blog "Techcrunch" wollte seinen eigenen Tablet-Rechner bauen, scheiterte nach anderthalbjähriger Projektarbeit aber grandios an dem Vorhaben. Da half es auch nichts, dass man in China heute fast alles zusammenschrauben lassen kann.

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Software ist eine feine Sache: Man kann sich eine Funktionalität oder Aufgabe ausdenken und sie auf heutigen Computern nahezu grenzenlos im Rahmen der Prozessorleistung umsetzen – an Multimedialität und 3D-Power fehlt es modernen PCs genauso wenig wie an Speicherplatz. Möchte man etwas Anfassbares haben, wird es schon schwieriger: Zwar gibt es längst Spezialdrucker, die Prototypen ausspucken oder sogar hübsch gestaltete Plastikfigürchen, ein vollständiges Gerät ist aber noch komplette Science Fiction.

Natürlich gibt es inzwischen zahllose so genannte OEMs, die gegen Bezahlung Elektronik nach Spezifikation herstellen – besonders in China sind sie zu finden, wo sie alles vom iPod bis zum 3D-Bildschirm produzieren. Doch verhältnismäßig unproblematisch (und vor allem talentgebunden) wie bei Software ist das nicht. Ein schönes Beispiel ist das so genannte Crunchpad, das IT-Blogger Michael Arrington ("TechCrunch") vor anderthalb Jahren mit großem Tamtam vorstellte. "Wir bauen unser Traum-Tablet", sagte er damals – gemeint ist ein Internet-Rechner, der nur aus einem Bildschirm besteht, eine Art aufgeblasener iPod touch. Es folgten verschiedene Prototypen und Wasserstandsmeldungen, doch das fertige Gerät, das in Zusammenarbeit mit einem Hardware-Start-up aus dem Silicon Valley entstehen sollte, wurde und wurde nicht fertig.

Seit einer guten Woche ist nun bekannt, dass es gar nichts wird mit dem Crunchpad. Angeblich hat sich Arrington mit seinen Partnern zerstritten und musste deshalb aufgeben – sogar von Rechtsstreitigkeiten ist die Rede. Meiner bescheidenen Meinung nach ist die nette Idee aber an etwas ganz anderem gescheitert: Hardware ist schwer.

Es reicht nicht aus, einem OEM ein paar Skizzen zukommen zu lassen. Mag sein, dass Arrington mit einem aggressiven Preispunkt von 300 Dollar für ein 12-Zoll-Gerät mit berührungsempfindlichem Bildschirm die Latte sowieso schon zu hoch gelegt hat; doch die Probleme, die das Projekt hatte, zeigen, dass große Hersteller wie Apple oder Dell auf einem großen Erfahrungsschatz sitzen. Das Gerätedesign braucht ebenso seine Zeit und intensives wie die Produktion, die Logistik und das Marketing. Nun wird Apple wohl der erste Hersteller sein, der ein massentaugliches Internet-Tablet auf den Markt bringt – es soll gerüchteweise in der ersten Jahreshälfte 2010 erscheinen. (bsc)