Preiskrieg: Der IT-Handel sollte sich für 2010 lieber keine falschen Hoffnungen machen

In diesem Jahr tobte der Preiskrieg in der Branche so heftig wie schon lange nicht mehr. Wesentlicher Grund dafür waren die völlig unrealistischen Produktions- und Absatzplanungen der Hersteller. Es war einfach zu viel Ware im Markt. Wird 2010 besser?

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Von
  • Damian Sicking

Lieber Hermann Hergt, Inhaber des Fachhandelsunternehmens HCS in Bad Aibling,

über den IT-Gipfel Anfang dieser Woche in Stuttgart ist ja genug geschrieben worden, so dass ich nicht auch noch meinen Senf dazu geben muss. Nur zwei, drei Sätze dazu: Am bemerkenswertesten fand ich einen Kommentar in der Stuttgarter Zeitung. Unter Bezugnahme auf die Rede von Bundeskanzlerin Angela Merkel schrieb das Blatt: "Dass Bundeskanzlerin Merkel beim IT-Gipfel in Stuttgart die Bankbranche mit den IT-Firmen verglichen hat, zeigt, wie tief das Ansehen des Finanzsektors in der Politik gefallen ist." Hoppla!!! Dass die Unternehmen der IT-Branche den Bodensatz in der Imagewertung in der deutschen Wirtschaft bilden, habe ich bis dato auch noch nicht gewusst.

Apropos "gefallen", und damit komme ich zum eigentlichen Thema: Gefallen sind in diesem Jahr auch wieder die Preise für die Produkte rund um den PC. So kostete beispielsweise ein Desktop-Rechner im Oktober dieses Jahres knapp 16 und ein Notebook rund 15 Prozent weniger als noch vor einem Jahr. Das hatten jedenfalls die Experten des Statistischen Bundesamts festgestellt. Dass die Preise in der IT-Branche in diesem Jahr weiterhin und zwar drastisch sinken würden, damit hatten zu Beginn des Jahres ja alle gerechnet, die irgendetwas mit der IT-Branche zu tun haben. Bis auf HP-Geschäftsführer Martin Kinne freilich. Der hatte im April tatsächlich gesagt, dass er ein Ende des Preiskampfes erwarte. Wir von heise resale hatten allerdings schon damals vermutet, dass der Grund für diese Aussage kurz vor Ostern darin zu sehen war, dass Kinne ein paar Schokoladenostereier zu viel verdrückt hatte, und zwar von denen mit der Eierlikörfüllung.

Nüchtern betrachtet konnte natürlich von einem Ende des Preiskampfes keine Rede sein, wenn es auch mal wochenweise rauf oder runter geht, wie dem heise-resale-Preisradar zu entnehmen ist. Im Gegenteil tobt der Preiskampf unter den Marktteilnehmern in diesem Jahr so heftig wie schon lange nicht mehr. Und das war, wie gesagt, zu erwarten. Bereits im Januar dieses Jahres veröffentlichten wir an dieser Stelle einen Beitrag mit der Headline "Preiskrieg mit Ansage". Von Seiten der Distributoren hatten wir damals erfahren, dass ausnahmlos alle großen IT-Hersteller mit Wachstumserwartungen in das Jahr 2009 gegangen sind und dementsprechende Ansagen an ihre Fabriken gemacht hätten. Nun braucht man wirklich nicht studiert zu haben, um vorhersagen zu können, welche Folgen es hat, wenn ein gestiegenes Warenangebot auf einen Markt mit sinkender Nachfrage trifft. Preiskrieg halt. Und genauso ist es ja auch gekommen. Viele Marktteilnehmern haben geblutet und tun es noch, zahlreiche sind auf der Strecke geblieben.

Jetzt ist natürlich die spannende Frage: Was passiert 2010? Vor allem: Wie sind die Planungen und Forecasts der Hersteller für das kommende Jahr? Meine Befürchtungen: Erneut planen alle mit Wachstum. Und irgendwie kann ich es sogar verstehen. Sie haben ja gar keine andere Wahl. Ein Geschäftsführer in Deutschland, der, sagen wir mal, seinem koreanischen Headquarter mitteilt, er glaube nicht, dass er den Absatz im kommenden Jahr werde steigern können, der kann sofort seine Sachen packen. Also sagt er seinen koreanischen Bossen das, was sie hören wollen und hangelt sich von Monat zu Monat oder von Quartal zu Quartal. Dass wir uns nicht missverstehen: Natürlich ist es für einzelne Hersteller möglich, in einem Markt mit sinkender Nachfrage ihren Absatz zu steigern oder in einem nur schwach wachsenden Markt überproportional zu wachsen. Es ist aber schlechterdings nicht möglich, dass in einem sinkenden Markt ALLE großen IT-Hersteller ihren Absatz steigern oder in einem nur schwach wachsenden Markt ALLE Anbieter überdurchschnittlich zulegen. Als aussenstehender Beobachter kann man aber den Eindruck gewinnen, dass die IT-Hersteller genau dies glauben.

Aus diesem Grunde ist zu befürchten, dass uns der Preiskrieg auch im kommenden Jahr erhalten bleiben wird. Jedenfalls tut man gut daran, davon auszugehen und nicht auf eine substanzielle Besserung der Lage zu vertrauen. Oder wie sehen Sie´s?

Beste Grüße!

Damian Sicking

Und hier die Antwort von HCS-Chef Hermann Hergt

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