Fernsehfrei (2)
Wenn schon die Inhalte im klassischen TV immer uninteressanter werden, sollten doch wenigstens die Geräte besser werden, oder? Leider nicht unbedingt: Dank unverständlicher Bedienung und schlechtem Eingangssignal nerven auch die.
Vor zwei Wochen schrieb ich ja bereits an dieser Stelle von meiner Frustration mit dem klassischen Fernsehprogramm – und warum ich schon seit Jahren nicht mehr zusehe. In diesem Blog-Stück will ich mich nun aus der Outsider-Perspektive den Geräten zuwenden, auf denen der Otto-Normal-Verbraucher heute zusieht – bzw. zusehen muss. Um es vorweg zu nehmen: Ich finde sie keinesfalls überzeugend.
Neulich hatte ich das Vergnügen, einen niegelnagelneuen Premiumklasse-LED-Fernseher eines renommierten asiatischen Herstellers einzustellen. Das Teil besaß Funktionen wie die so genannte 100-Hz-Technik zur Bekämpfung von Bewegungsunschärfen, von der ich eigentlich gedacht hatte, dass sie im Analogzeitalter zurückgeblieben sei und die dann faktisch dafür sorgte, dass jeder Kinofilm aussah, als habe man ihn in einem Soap-Studio mit Fernsehkameras aufgenommen. Daneben nervte eine Energiespar-/Lichtanpassungsfunktion, die dunkle Stellen plötzlich noch dunkler machte und durch die das Einstellmenü zwischenzeitlich unlesbar wurde.
Ein Blick ins Handbuch half nicht weiter bzw. verdeutlichte nur die Hoffnungslosigkeit jeglicher Bemühungen, all diese Bildverschlimmbesserungen einfach abzudrehen. Eventuell tut sich ja etwas in der nächsten Firmwareversion, die man per USB-Stick (!) einlesen kann, wenn man es sich antun will, eine spezielle Windows-Software auszuführen. Das mit Abstand beste Bild war noch im PC-Modus mit angeschlossenem Rechner zu erreichen, aber selbst da musste man noch alle Bildregulierungsmechanismen abschalten.
Ich habe Freunde mit Erfahrung gefragt, ob diese Probleme normal sind – viele bestätigten sie mir. Hinzu kommt, dass das Eingangssignal (z.B. DVB-T) für die HD-ready-Geräte viel zu niedrig auflöst bzw. zu schlecht ist, als dass man gute Bilder erwarten könnte. Faktisch bedeutet dies, dass Fernsehen auf heutigen Flachbildschirme schlechter aussieht als auf den besser für niedrige Auflösungen geeigneten Röhren-TVs. Und HDTV ist auch nicht unbedingt besser, weil es in vielen Fällen einfach digital für die höhere Auflösung "aufgepumpt" wird.
Was ich auch nicht verstehe: Wenn man sich heute einen Flachfernseher kauft, hat dieser ab 30 Zoll die gleiche Auflösung, egal ob es ein 42-, 46- oder gar 55-Zoll-Gerät ist. Über Full-HD geht kein einziger Hersteller, was bedeutet, dass einfach die Bildpunkte größer werden.
Warum nutzt man nicht einfach die Panels bzw. die Technologie, die man von PC-Bildschirmen kennt? Genau hier hört es derzeit nämlich interessanterweise bei 30-Zoll auf. Das Gute an diesen Geräten: Sie stellen einfach nur das dar, was vom Rechner kommt und versuchen nicht, irgendetwas zu verändern. Das Eingangssignal kann man gut auch in Software bearbeiten, wenn man das möchte. Aber dieser Zwang zur Bildverschlimmbesserung, wie ihn die meisten Flachbildfernseher mitliefern, der geht wirklich gar nicht.
(bsc)