Die Wasserstoff-Ente

Wird sich BMW von seiner Technologie der Wasserstoffverbrennung verabschieden oder nicht? Zu verschmerzen wäre es jedenfalls.

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Kürzlich war auf einer Redaktionsbesprechung die große Stunde des Konjunktivs: Wäre eine Nachricht nur dann einen Kommentar wert, wenn sie keine Ente gewesen wäre, oder vielleicht gerade deshalb, weil sie auch ebenso gut keine Ente hätte gewesen sein können? Und wäre nicht eben diese Ente ein idealer Aufhänger für einen Kommentar, den man schon längst mal hätte geschrieben haben sollen?

Anlass dieser Konjunktivitis war die Meldung, dass BMW sein Forschungsprogramm für wasserstoffgetriebene Fahrzeuge eingestellt habe, was die bayerischen Motorenwerker aber umgehend dementierten – man plane lediglich vorerst keine neuen Flottenversuche mehr. Hätten sich BMW nun tatsächlich dazu durchgerungen, seine etwas eigenwillige Vorstellung von nachhaltiger Fortbewegung aufzugeben, hätte es von uns dazu sicherlich ein paar wohlwollende Worte gegeben. Im Gegensatz zu anderen Herstellern verfolgt BMW nämlich eine ganz eigene Wasserstoffstrategie: Das Gas wird nicht in einer Brennstoffzelle in Strom verwandelt, sondern wie schnödes Benzin in einem ganz normalen Zylinder verbrannt.

Man kann geteilter Meinung darüber sein, wie sinnvoll und zukunftsträchtig Wasserstoff-Brennstoffzellen als Autoantrieb sind. Zum einen kostet die Wasserstoff-Erzeugung selbst viel Energie, zum anderen müsste (wieder so ein Konjunktiv) dazu eine komplett neue Infrastruktur aus Lagern, Transportwegen und Zapfsäulen aufgebaut werden. Eines immerhin muss man dem Konzept lassen: Brennstoffzellen gehen recht effizient mit ihrem teuren Brennstoff um.

Im Gegensatz zu BMW-Zwölfzylindern. Die Verbindung von Wasserstoff und Verbrennungsmotor vereint das schlechteste beider Welten: Viel Aufwand bei der Erzeugung des Treibstoffs, wenig Effizienz bei dessen Umwandlung. Ein Kollege von unserer US-Ausgabe hat die Energiebilanz mal durchgerechnet und kam zum Ergebnis: "Den BMW-Ingenieuren ist es gelungen, das ineffizienteste Auto aller Zeiten zu bauen." Die Knallgas-Schleuder auch noch als "emissionsfrei" zu bezeichnen, wie es BMW in seinem Dementi tat, sprengt schon die Grenzen des Begriffs "Volksverdummung" – zumal längst jeder Elektroautohersteller eifrig darauf bedacht ist, seine Wagen höchstens als "lokal emissionsfrei" anzupreisen.

Aber soll man eine Entscheidung kommentieren, die gar keine ist? Oder ist eine Nicht-Entscheidung streng genommen nicht auch eine Entscheidung, weil man sich ja auch gegen die Fortsetzung des eingeschlagenen Weges hätte entscheiden können? Oder könnte man den Verzicht auf weitere Flottenversuche nicht trotz aller Dementis als Schleichfahrt aus der Sackgasse interpretieren?

Wir haben darauf keine Antwort gefunden, zumindest keine im Indikativ. Darum noch mal in der Möglichkeitsform: Sollte BMW seine Wasserstoffverbrennung doch irgendwann aufgeben, die Welt könnte es verschmerzen. (bsc)