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Was war. Was wird.

Bumm-bumm-wamm, bumm-bumm-wamm. Bumm-bumm-wamm, bumm-bumm-wamm: Hal Faber freut sich auf Weihnachten.

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Von
  • Hal Faber

Wie immer möchte die Wochenschau von Hal Faber den Blick für die Details schärfen: Die sonntägliche Wochenschau ist Kommentar, Ausblick und Analyse. Sie ist Rück- wie Vorschau zugleich.

Was war.

*** "Bumm-bumm-wamm, bumm-bumm-wamm. Bumm-bumm-wamm, bumm-bumm-wamm!" Ich könnte seitenlang so weitermachen. We will, we will rock you, bumm-bumm-wamm, bumm-bumm-wamm. Das ist so wunderbar weihnachtlich, da danke ich glatt, bumm, Logitech für die Vorlage, obwohl eigentlich eine Mail mit bumm-bumm-wamm im Betreff in den bumm-spül-gurgel Orkus rauscht. Bumm-bumm-wamm, LAUTER! Erzählt nicht diese Kadenz von der ganzen Schönheit der Rockmusik in der Spanne zwischen La La La und Da Da Da? Fehlt nur noch das Kommando Pimperle mit seinem Balla, Balla und schon sind wir mitten im größten Weihnachts-Balla-Balla getröstet, während in der Badewanne der Festwein aus Mörfelden-Waldorf schwappt: Danke, SAP! Awob BopaLooBop ALopbamBoom, wir lassen es krachen, wie Kakerlachen in der Glühweinkotze.

*** "Pi Pa Pippi Pi" ich hoffe, dass dies die bumm-bumm-wamm-technisch korrekte Wiedergabe von "We are family" ist. Niemand Geringeres als unsere schöne Bundesdruckerei, die seit diesem Jahr wirklich uns allen wieder gehört, hat sich den Slogan gesichert und wirbt mit einer "We are family"-Family. Eine Familie und eine Volksdruckerei, wie hübsch, so lebt man doch gerne zusammen. Wobei das Ganze eine tiefere Dimensionen hat, wenn man die neue Besetzung an den Druckstöcken betrachtet. Da taucht August Hanning, der von de Maizière geschasste Innensekretär im Aufsichtsrat auf, neben dem ehemaligen Bitkom-Cheffe Willi Berchtold. Einen Schily machen, nennt man diese Übung wohl, aber wer wird schon nachtragend sein, wenn es heißt, komplett mit dem richtigen Fähnchen We are family. Wer besonders hip ist, tanzt in den neuen, von unserer Druckerei ausgestatteten Erfassungsspuren natürlich, bumms, bumms, bumms, den Mussolini der Deutsch-Amerikanischen Freundschaft und freut sich auf den neuen, nunmehr finalen elektronischen Personalausweis.

*** Ping. Ping. Ping (was für eine schöne Machine qui fait ping). Die erste angetretene Volks-Million bekommt zum Ausweis ein Lesegerät und ein Starterkit vom Bundessicherheitsinformationsamt geschenkt, weil eine Erfolgsgeschichte geschrieben wird: Ein Volk, eine Druckerei, ein Internet. Wer will sich da noch daran erinnern, wie vor 130 Jahren diese Druckerei gegründet wurde, gegen den erbitterten Widerstand des Druckereiverbandes und der Sozialdemokraten, weil Geld nun einmal unabhängig von Streiks und Arbeitskämpfen produziert werden muss. "Die Gründung der Reichsdruckerei wird das Ende des Buchs einläuten", verkündete damals Eduard Brockhaus, ganz im Stil der heutigen Verleger, die vom urbösen Google und gemeinen Content-Dieben bedrängt werden. Aber zum Glück ist das Internet ja ein unendlicher Gebührenraum, wie die Politik erkannt hat. In so einem Raum findet sich immer eine Leistungsschutzabgabe für ehrenwerte Verleger.

*** Übrigens klagen nicht nur die deutschen Verleger, auch die Alphablogger sehen ihr Geschäft bedroht. Man lese nur die Klage von Michael Arrington über Fast Food Content, produziert von Content-Farmen wie Demand Media. So schlecht, wie die automatisierten Texte sind, so sind die meisten Blogs, da gibt es keinen Unterschied mehr, befindet Arrington, an dieser Stelle zum Jahresanfang als ausgebrannter Blogger bezeichnet und zusammen mit Robert Basic erwähnt. Der verkauft schon wieder etwas, seinen Twitterhaufen von Followers. "Social-Media-Nutte" oder begnadeter Marketier? Ist Letzteres richtig, dürfen wir noch auf den Verkauf der DNA von Basic und Arrington warten. Die haben Drive, ey, Dum derra dum dum diddy diddy dah dah.

*** Ritsche ratsche mit viel Tücke gabs in Auschwitz eine Lücke. Unbekannte demontierten den Schriftzug "Arbeit macht frei", der über diesem Konzentrationslager wie über den Lagern in Dachau, Sachsenhausen und Flossenbürg angebracht war, angeblich in Erinnerung des antiken Erkenne dich selbst. Künstlerisch nicht so hochstehend wie das Readymade von Franz Ehrlich in Buchenwald, gehört die Inschrift zum Inventar der Versöhnung mit einer unverstandenen Geschichte. Wer die Kommentare in der Jungen Freiheit oder weiter rechts angesiedelten Publikationen zur "Frechheit" liest, dass Deutschland sich mit 60 Millionen Euro Stiftungsgeldern an einer Aktion gegen das Vergessen beteiligt, kann sich einen Reim machen.

*** Ein großes Lalula darf man jedenfalls über die seltsam bescheuerte Taktik der Linken dichten, einen der Ihren in die Kommission zu schicken, die unsere Geheimdienste kontrolliert – während gleichzeitig von den eigenen Abgeordneten 21 abwesend sind. So gibt es keine Kontrolle durch die Linken beim Verfassungsschutz, der bekanntlich die Linken observiert. Arithmetisch schwerst behindert präsentiert sich auf der anderen Seite auch ein Verteidigungsminister, der Probleme mit dem Wort "angemessen" hat: Wenn unter 147 oder 137 Toten (je nach Lesart) tatsächlich 90 Taliban waren, könnte man von einer angemessene Kampfhandlung sprechen. Wenn es neun Taliban waren, müsste man von einem Kriegsverbrechen reden. An dieser Stelle wäre ein Link auf lustige Abzählreime fällig, aber es gibt Grenzen. Eine von ihnen liegt mit den 36 im Krieg gefallenen Soldaten in der Erde.

*** Ein Rückzugsgefecht der besonderen Art fand in dieser Woche in Karlsruhe statt. Selbst das notorisch gerichtsfreundlich berichtende Zentralorgan der Altbaubewohner musste eine Art Reinfall melden. Die Vorratsdatenspeicherung, diese heiße Siliziumpuppe, der feuchte Traum aller datenspähenden Ermittler, wurde eher lustlos vor Gericht verteidigt: "Die Justizministerin erschien nicht, die Bundesregierung versteckte sich hinter einem jungen Professor." Dazu gab es Aussagen von Praktikern, wie die vom BKA-Chef Zierke, die Netzpolitik via Twitter protokollierte. Überzeugend war all diese Verteidung nicht. Spannend bleibt die Frage, ob das höchste deutsche Gericht entscheidet oder die Frage weiterschubst, weil europäische Interessen und Vorgaben im Spiel sind. Bis dahin sind alle so yeaah, Manana, Manana, pillipiditi.

Was wird.

Während sich die christliche Welt dem Fest der Liebe entgegensäuft, wird anderswo gearbeitet. Das gilt nicht nur für das WWWW, das sich am 2. Bratentag mal mit all den Vorhersagen beschäftigen will, die für 2009 getroffen wurden, angefangen mit der Vorhersage eines Musikkritikers, dass dieses 2009 das stärkste Jahr von Michael Jackson werden wird. Tatsächlich hat er es in die Hitlisten geschafft, aber von Stärke war eher nicht die Rede.

Gearbeitet wird auch noch beim BKA. Unermüdlich sind unsere Sicherheitsbehörden am Werk, immer getrieben von der Angst, nicht alles getan zu haben, um einen Anschlag zu verhindern. Am Montag wird das unermüdlich werkelnde BKA in Wiesbaden einen europäischen Bericht zur zivilen Sicherheitsforschung vorstellen, der die deutsche Innovationsplattform Sicherheit ergänzen soll. Auch dort hat sich etwas getan: Zu unserer aller Sicherheit sind die Erkenntnisse über unsere zivile Sicherheit ab sofort nicht öffentlich einsehbar, wegen der steigenden terroristischen Bedrohung. Bumm-bumm-wamm, wir sind loyal, aber dumm, bumm. So kommt ne Menge bei rum in Geh Eh erR , das wussten schon die Ärzte.

Allen frĂĽhzeitig gestressten Lesern wĂĽnsche ich gute bumm-bumm-wamm-Tage mit viel bumm-bumm-wamm, Lala und Balla, denn am Ende, oho, oho da geht es schnippel-schnappel, schnippel-zappel-di zu und alles, was bleibt, ist u-uh-uhu und ein letztes Schubidu. (jk)