Kabel, los!
Während das Telefonnetz-basierte DSL langsam an seine technischen Grenzen stößt, wird Internet per TV-Kabel immer interessanter. Wenn nur die Infrastruktur in Deutschland nicht so komplex wäre.
Wir leben in einer merkwürdigen Welt. Während ich in Berlin in zentraler Lage maximal 50 Megabit per Telekom-Kupfer-VDSL kaufen könnte, wenn ich denn einsähe, lange Vertragslaufzeiten und Datendrosseln als Sahnehäubchen zu akzeptieren, bekomme ich in Skandinavien an einem Ort mit rund 200 Einwohnern auf Wunsch 100 Megabit pro Sekunde mittels Glasfaser geliefert – und zahle trotz des allgemein hohen Preisniveaus der Region dafür nicht die Welt. Dass Deutschland im Breitbandrennen immer weiter abrutscht, zeigt auch diese aktuelle Statistik: Fiber-to-the-Home, Glasfaser bis nach Hause, ist hier zu Lande weiterhin in vielen Landesteilen komplette Fehlanzeige.
Wer seine Hoffnungen nun auf das Breitband-TV-Kabel setzt, sollte sich nicht zu früh freuen. Zwar nimmt dieser Bereich flott zu und bietet dank Koax und ausgebauten Kopfstationen inzwischen potenziell 100 Megabit und damit doppelt so viel wie VDSL. Doch ist der Kabelmarkt in Deutschland enorm komplex geraten. Diverse Netzebenen, von denen jede potenziell einem anderen gehören kann, sorgen dafür, dass ein Ausbau in der eigenen Straße noch lange nicht bedeuten muss, dass man davon auch wirklich profitiert. Da half selbst die Konsolidierung des Marktes in den letzten Jahren nur teilweise – wenn sich zum Schluss der Hausbesitzer quer legt, kann der Kunde noch so lange betteln.
Außerdem ist auch das TV-Kabel nur mittelfristig die ideale Lösung für alle Bandbreitenwünsche. Auch hier hat man es schließlich nur mit etwas besser isoliertem Kupfer zu tun, das nicht beliebig hohe Durchsatzraten verträgt. Ergo: Wir kommen auch in Deutschland nicht darum herum, endlich Glasfaser bis in die Häuser zu verlegen. Warum darüber zum Beispiel beim jüngsten IT-Gipfel so wenig gesprochen wurde, ist mir persönlich ein Rätsel. Die Regierung bastelt zu sehr an Maßnahmen des ausgehenden Jahrzehnts, beispielsweise die Versorgung ländlicher Gebiete mit mickrigen 1 Megabit pro Sekunde. Stattdessen sollten wir flächendeckend endlich wirklich zukunftstaugliche Infrastrukturen installieren.
(bsc)