Geschenkt
Weihnachten naht: Was besorgen wir dem hoffnungsvollen Nachwuchs, dem cleveren kleinen Neffen (Bruder, Schwester, Enkel, Nichte, Enkelin - zutreffendes bitte einsetzen), der bereits mit zehn die Kindersicherung des heimischen Computers geknackt hat? Ohne uns als hoffnunslos altmodische alte Säcke zu blamieren?
Wenn man sich anschaut, wie klapperig die Infrastruktur hierzulande auf den plötzlichen Winter-Einbruch reagiert, könnte man meinen, der Klimawandel sei längst vollzogen – und der letzte, strenge Frost Jahrzehnte her. Wenigsten passt das Wetter zum rasch näher kommenden Fest der Liebe.
Das natürlich, wie jedes Jahr, die übliche Frage aufwirft: Was schenken? Der Kollege Schwan hat gestern noch einige, letzte Empfehlungen gegeben, aber die beziehen sich ja nun mehr auf den bereits voll entwickelten Geek. Was aber tun mit dem hoffnungsvollen Nachwuchs, dem cleveren kleinen Neffen (Bruder, Schwester, Enkel, Nichte, Enkelin – zutreffendes bitte einsetzen), der bereits mit zehn die Kindersicherung des heimischen Computers geknackt hat und den wir immer anrufen, wenn wir unser Smartphone nicht mehr verstehen? Selber die peinlichen Fehler machen, die man früher bei den eigenen Verwandten immer gehasst hat? Einfach unauffällig ein bisschen Geld rüberschieben – und damit signalisieren, dass man die Jungs und Mädels eh nicht mehr versteht?
Ach, zu meiner Zeit war das noch einfach. Da konnte man bebrillten kleinen Technik-Freaks die Wunderwelt mechanischer Getriebe mit einem Metallbaukasten erschließen - gar nicht zu reden von all diesen lustigen Experimentierkästen mit ihren bunten Glühlampen, Mikrofonen auf der Basis von eigenhändig eingefülltem Kohlenstaub uns und Elektromotoren mit selbst zu wickelnden Windungen. (Sogar die heimische Modelleisenbahn ließ sich für spaßige Experimente gebrauchen: Auf den kurzgeschlossenen Schienen konnte man beispielsweise ganz prima testen, wie viel Strom nötig ist, um Lametta zu schmelzen.)
Aber all das ist nicht nur zum Teil vom Markt verschwunden – es ist technologisch auch nicht zukunftsweisend: Denn glaubt man diversen Kollegen, werden die wirklich spannenden, technisch-wissenschaftlichen Entwicklungen nicht elektronisch, sondern biologisch – der New Scientist etwa fragt publikumswirksam, ob wir 2010 das erste synthetische Leben sehen werden. Was also wäre angemessen für den kleinen Bio-Hacker? Eine PCR-Maschine ist ganz schön teuer, auch wenn man versucht, sie bei eBay zu schießen. Und will ich eigentlich wirklich, dass die Milchsäurebakterien in unserem Kühlschrank mit Fluoreszenzgenen ausgestattet werden? Vielleicht sollte ich doch bei der guten, alten Elektronik bleiben. Vielleicht werde ich auch einfach nur alt. (wst)