Gewebebank aus umprogrammierten Zellen
Das US-Unternehmen iZumi Bio will die Technik der induzierten pluripotenten Stammzellen kommerzialisieren.
Die Gründer von iZumi Bio hatten einen ambitionierten Namen gewählt: iZumi bedeutet auf Japanisch "Jungbrunnen" – und das US-amerikanische Biotechnologie-Unternehmen hat sich auf Zellen spezialisiert, die den Ruf haben, wie ein solcher Jungbrunnen zu wirken. Die Objekte der Begierde der Firma sind die sogenannten "induzierten pluripotenten Stammzellen" (iPS), die durch die genetische Rückprogrammierung von Körperzellen hergestellt werden, berichtet Technology Review in seiner Online-Ausgabe. Wissenschaftler setzen große Hoffnung in sie, denn die Wandlungskünstler können sich ähnlich wie die embryonalen Stammzellen in viele verschiedene Gewebe des Körpers entwickeln, und könnten aber gleichzeitig deren ethisch problematische Gewinnung obsolet machen.
Die größte Aufmerksamkeit gilt bisher der regenerativen Kraft von Stammzellen: Da sie so viele Gewebearten – und auch sich selbst – erneuern können, so die Hoffnung der Wissenschaftler, könnten sie eines Tages dazu verwendet werden, Ersatzorgane zu züchten, Rückenmarksverletzungen zu heilen oder beschädigtes Gehirngewebe zu reparieren. Darüber hinaus bieten iPS aber eine zweite viel versprechende Möglichkeit: Wenn sie aus Zellspenden von Patienten gewonnen werden und aus den iPS anschließend verschiedene Gewebetypen hergestellt werden – dann tragen diese spezialisierten Zellen die gleichen genetischen Fehler wie die ursprünglichen Körperzellen und können im Labor als Krankheitsmodelle dienen.
"Die letzten zwei Jahre waren schon revolutionär", sagt iZumi-Bio-Forscher John Dimos. "Davor existierten diese Zellen noch nicht. Es ist eine brandneue Technik und sie eröffnet uns ganz neue Möglichkeiten." Dimos' Unternehmen will eine Gewebebank mit umprogrammierten Körperzellen aufbauen. Zunächst werden Zellen von Patienten mit neurodegenerativen Erkrankungen gesammelt, zum Beispiel solchen mit der Parkinsonschen Krankheit, mit amyotropher Lateralsklerose oder mit spinaler Muskeldystrophie. Daraus wollen die Forscher Muskel- und Nervenzellen herstellen, also diejenigen Gewebearten, die bei diesen Krankheiten geschädigt werden – um anschließend zu beobachten, wie sich die Zellen durch die Krankheiten verändern.
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(bsc)